Helge Schneider auf Tournee
Buchse voll
Wer ihn das erste Mal sieht oder hört, für den mag das, was der Herr Mitte 50 da auf der Bühne von sich gibt, nicht wirklich Sinn ergeben. Trotzdem, oder gerade auch deswegen, ist Helge Schneider seit Jahren einer der erfolgreichsten Unterhalter im deutschen Sprachraum.
8. April 2017, 21:58
Seine Filme sind Kult und mit polarisierenden Hits wie "Katzeklo" hat er es in die Charts geschafft. 2009 gastierte der Multiinstrumentalist im Rahmen des Wiener Jazzfests mit seiner Show in der Staatsoper. Am Freitag und Samstag, 27. und 28. Mai 2011, spielt Helge Schneider in der Wiener Stadthalle und am 29. Mai im Congress in Salzburg sein Programm "Buchse voll".
Mittagsjournal, 27.05.2011
"Buchse voll!" heißt die aktuelle Tour von Helge Schneider. Zurück auf der Bühne nach einer kurzen Pause, in der er genug Zeit gehabt habe, mit seinem Pferd spazieren zu gehen und selbstgeangelte Goldfische zuzubereiten. Helge Schneider, das ist grotesker Humor verpackt in der Improvisationskunst eines äußerst vielseitigen Künstlers.
Mit Titeln wie "Katzeklo" feierte der Musiker Anfang der 1990er Jahre seine ersten kommerziellen Erfolge. Es gibt Helge-Schneider-Hörbücher und -Romane. Er arbeitete als Studiomusiker, Stummfilmbegleiter und Schauspieler, etwa in Projekten wie "Menu Total" und "Mutters Maske" von Christoph Schlingensief.
Improvisation groß geschrieben
Kultstatus unter seinen Fans haben dabei vor allem Schneiders eigene Produktionen wie "Doc Snyder hält die Welt in Atem" oder "Jazzclub ", zu dem der Multiinstrumentalist nebst Drehbuch und Regie auch die Musik geschrieben hat. Wie hier im Film erlebte auch Schneider selbst als Kneipenmusiker die Ablehnung des Publikums - mit ein Grund, warum aus dem Jazzmusiker Helge Schneider der Unterhaltungskünstler wurde.
Wie bei seinen Auftritten in Alexander Kluges Magazin "10 vor 11", ist auch in der Musik die Improvisation Grundlage für Schneiders Auftritte. Die Texte seiner Lieder sind großteils nur im Grundgerüst angelegt, und werden auf der Bühne nicht selten zu ausschweifenden Erzählungen. Das Ergebnis ist ein unverwechselbarer Humor, in dem sich Schneider scheinbar alle Freiheiten nehmen kann. Von der Pointen- bis zur Inhaltslosigkeit.
Inhaltslosigkeit als Erfolgsrezept? Die zahllosen TV-Formate, die alltäglich zu sehen sind, beweisen, dass es möglich ist, aber Helge Schneider hat sich diese Freiheit zum Nonsens über die Jahre erarbeitet, treibt Inhaltslosigkeit mit Präzision auf die Spitze. Seine Lieder und Texte sind bisweilen eine Zumutung. Wer ihn trotzdem aushält, muss, darf, kann lachen.
