"Ein absolutes Unikum"

Milan Turkovic, Dirigent und Fagottist

Für mich bedeutet Ö1 zu verschiedenen Tageszeiten Verschiedenes. Wenn ich eine Arbeit habe, zum Beispiel am Computer sitze, mag es vielleicht nur eine Berieselung oder Auflockerung sein oder ein Animieren, meine Arbeit gut zu machen. Aber von 9:00 bis 10:00 Uhr, beim "Radiokolleg", ist es auch eine Art zweites Universitätsstudium.

Ö1 ist für mich auch ein berufliches Handwerkszeug, ist eine Bezugsquelle dessen, was sich im Musikleben abspielt. Und da ich ein großer Jazzfan bin, schätze ich die Jazzsendungen (die mir aber meist zu ungelegener Zeit kommen), Jazz macht mich fröhlich und entspannt.

Die Informationssendungen sind mir wichtig. Vor allem das Mittagsjournal. Es ist angenehm, weil man merkt, dass es eine Art Gegenstück zu einer Qualitätszeitung ist. Man hat genügend Zeit, sich mit einem Thema in einiger Ausführlichkeit zu beschäftigen. Das Abendjournal kommt mir etwas gehetzt und knapp vor, man spürt den Zeitrahmen der 25 Minuten.

Bei manchen Sendungen wünsche ich mir eine realistischere, faktenorientiertere Form der Berichterstattung. Die Trennung von Sache und Emotion, das wäre es. Die Bewertung, die mache ich als Hörer selbst.

Wie ich als Musiker höre? Das gesprochene Wort zu Mittag, wenn ein wunderbarer Schauspieler einen Essay oder Ausschnitt aus einem Roman liest, das ist wie Musik für mich. Und ich gebe zu, dass ich manchmal nicht einmal so sehr der Geschichte folge, sondern ich lasse mich zum Beispiel von einem Peter Matić oder einer Chris Pichler wie von einem schönen Musikstück "mitnehmen". Und bei Musik? Ist es eine Musik, die mich beschäftigt, weil ich mit ähnlicher Musik gerade zu tun habe, dann höre ich mit vier Ohren hin.

Ö1 ist ein absolutes Unikum in der Radiolandschaft. Ö1 ist ein echter "Multi-Kulti-Sender", er deckt ein sehr großes Feld ab und hat deshalb auch eine erstaunlich hohe Hörerzahl. Ich glaube allerdings, dass er mehr gehört werden würde, wenn Leute, die ihn nie hören, die Vielfalt des Senders kennen würden.