Wie viel Geld brauchen Musicals?

Die Vereinigten Bühnen Wien sind der größte Profiteur der Kultursubventionen der Stadt Wien. Kritisiert wird immer wieder, dass Musical-Produktionen als Mainstream der darstellenden Kunst ohne zusätzliche Gelder auskommen müssten.

Kulturjournal, 9.06.2011

37,1 Millionen Euro Subvention

Die Vereinigten Bühnen Wien bekommen jährlich 37,1 Millionen Euro von der Stadt Wien, um die Musical-Häuser Ronacher, Raimundtheater und das Opernhaus Theater an der Wien zu erhalten. Vor allem die Opposition im Wiener Rathaus kritisiert diese hohe Summer als inakzeptabel für kulturelle Mainstream-Produktionen wie Musicals.

Tatsächlich sieht es so aus, dass Musicals auch am Broadway oder in Hamburg subventioniert werden - allerdings privat.

Klaus-Dieter Kräft, Herausgeber des deutschen Magazins "musicals", erklärt die Situation am Broadway. Dort starten jährlich 20 Produktionen: "Dann haben wir noch zehn Shows, die noch weiterlaufen über die erste Spielzeit hinaus. Davon kommen vielleicht vier im Lauf der Jahre nach London und von den vieren kann man ausgehen, dass die auch langfristig Gewinne einspielen. Von denen sehen wir im deutschsprachigen Raum vielleicht ein oder zwei. Letztendlich sind von 20 Musical-Produktionen, die am Broadway rauskommen, zehn Prozent, die international langfristig Erfolge sind und die viel Geld einspielen."

Erfolge gleichen Defizite aus

In Deutschland werden die meisten Musicals vom Unternehmen "Stage Entertainment" finanziert, hinter der der Holländer Jop van den Ende mit seinem Privatvermögen steht. Das reiche aus, um so viele Häuser in Europa zu betreiben, dass defizitäre Produktionen von wenigen großen Erfolgen ausgeglichenen würden.

"Die vereinigten Bühnen können das nicht. Wenn die zwei Häuser haben, in denen sie Musicals spielen, und eines davon rote Zahlen schreiben, dann kann das zweite Haus noch so gut laufen, das wird diese Verluste nie wieder abdecken können", so Kräft.

Hohe Personalkosten in Wien

Thomas Drozda, Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien verweist außerdem auf die hohen Personalkosten, da in Wien darstellende Künstler über Kollektivverträge bezahlt werden und es werde großen Wert auf eine hohe technische und musikalische Qualität gelegt: "Die Personalkosten sind in einer Dimension von rund 43 Millionen pro Jahr - die Personalkosten sind also erheblich höher als die Subvention", sagt Drozda.

Grundsätzlich fließen von den 37,1 Millionen Subventionen 11 Millionen ins Musical, 21 Millionen ins Theater an der Wien und fünf Millionen ins Orchester.

Geschäftsführer-Gehalt nicht offengelegt

Sein eigenes Gehalt will Drozda aber nicht offen legen: "In Relation zu den 100-Millionen-Betrieb, den ich als Alleingeschäftsführer führe, steht das in einem vernünftigen Verhältnis. Ich bin damit überaus zufrieden, habe aber auch nicht den Eindruck überbezahlt zu sein."

Grundsätzlich beklagen sich aber die Vertreter freier Kunstschaffender und Kulturinitiativen wie die Interessengemeinschaft Kultur über die hohe Subventionierung etablierter Institutionen, da diese direkt aus ihrem Topf abgezogen würden.

Off-Fördergelder gestiegen

Die Stadt Wien verweist auf eine Steigerung bei der Förderung der Off-Theater von 78 Prozent auf 25 Millionen Euro seit dem Jahr 2001. Marty Huber, kulturpolitische Sprecherin der IG Kultur sagt darauf, dass in diesen Förderungen auch das Tanzquartier eingerechnet werde - und das sei eine GesmbH der Stadt Wien.

Textfassung: Rainer Elstner

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