Erste Frau an der Spitze des IWF

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde ist zur neuen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) gekürt worden. Sie ist damit die erste Frau an der Spitze dieser Institution und Nachfolgerin von Dominique Strauss-Kahn, der im Mai wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung, zurückgetreten ist.

Morgenjournal, 29.6.2011

Längst alles klar?

Die Wahl Christine Lagardes war ausgemachte Sache. Schon vor der entscheidenden Sitzung des Währungsfonds in Washington. Bereits nach wenigen Stunden verkündet ein Sprecher: "Der Internationale Währungsfonds hat Christine Lagarde heute zur geschäftsführenden Direktorin bestellt."

Die 55jährige Juristin Christine Lagarde ist erste Finanzministerin Frankreichs, jetzt ist sie die erste Direktorin des Internationalen Währungsfonds - was auch für den Sprecher noch ungewohnt scheint.

"Niemals die Buben imitieren"

Christine Lagard gilt als harte und exzellente Verhandlerin, spricht Englisch wie ihre Muttersprache und ist nach ihrer Arbeit in einer US-amerikanischen Anwaltskanzlei bestens mit angelsächsischen und europäischen Gepflogenheiten vertraut.

Monate vor der Verhaftung ihres Amtsvorgängers Dominique Strauss-Kahn wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung meinte Christine Lagarde in einem Interview, dass Frauen in öffentlichen Ämtern weniger Libido und weniger Testosteron zeigen würden - und erteilt anderen Frauen in Führungspositionen den Rat, Männer nicht nachzumachen:„Never imitate the boys!“

Harte Worte gegen Griechenland

In die Politik gekommen ist die zweimal geschiedene Christine Lagarde erst vor sechs Jahren. In ihrer Jugend war sie Synchronschwimmerin in der französischen Nationalmannschaft. Als Finanzministerin hat sie am Beginn der griechischen Schuldenkrise mit harten Positionen aufhorchen lassen: "Wenn ein Staat auf die schiefe Bahn gerät, warum soll ihm nicht sein Mitbestimmungsrecht in der EU entzogen werden?"

Durchgesetzt hat sich Lagarde im Rennen um den Chefsessel im IWF gegen den mexikanischen Notenbanker Agustin Carsten, dank europäischer, amerikanischer, chinesischer und russischer Unterstützung.

Probleme mit dem Gericht

Unmittelbar nach ihrer Bewerbung hatte sie erklärt, Schwellenländern in Südamerika und Asien mehr Gewicht und zusätzliche Posten einräumen zu wollen: "Ich denke solche Massnahmen könnten die Glaubwürdigkeit des IWF erhöhen."

Auch Christine Lagarde könnte juristisches Ungemach ins Haus stehen: In einem Verfahren rund um den berühmt-berüchtigten französischen Millionenjongleur Bernard Tapie wird ihr Begünstigung vorgeworfen. Am 8. Juli, drei Tage nach Amtsantritt, soll der Richter sein Urteil sprechen.

Portrait der neuen IWF-Chefin