Schuldnerberater fordern "Basiskonto"

Ein Recht auf ein eigenes Bankkonto hat die EU-Kommission angekündigt, aber nicht umgesetzt. Kritik daran kommt jetzt von der österreichische Schuldnerberatung. In Österreich bieten Banken zwar Lösungen für finanzschwache Kunden an, diese sind aber freiwillig und mit Auflagen verbunden.

Mittagsjournal, 29.07.2011

Thomas Hadinger

"Keine Lösung"

Europas Banken sollen auch finanzschwachen Bürgern ein Konto zur Verfügung stellen, lautete der Appell von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Alexander Maly von der österreichischen Schuldnerberatung ist enttäuscht: Es sei zwar immerhin ein Fortschritt, dass das als Problem gesehen werde: "Aber Lösung ist das keine."

Basiskonto mit Zahlfunktion

Die Schuldnerberatung fordert, dass jeder ein Basiskonto mit grundlegenden Zahlungsfunktionen bekommen kann. Das Problem sei, dass Banken immer nur dann Konten vergeben, wenn es sich für sie rentiert - an jene, die viel Geld haben oder oft das Konto überziehen, sagt Maly. An Kunden, die kaum Geld oder gar Schulden haben, würden die Banken nichts verdienen - und sie daher ablehnen, sagt Maly.

Problem für Job und Wohnen

Diese Erfahrung hat ein 59-jähriger Mann gemacht, der ungenannt bleiben möchte. Als Selbstständiger ist er gescheitert und musste Privatkonkurs anmelden. Sein Name landete auf der Warnliste des Kreditschutzverbandes. Jahrelang durfte er kein Konto eröffnen, obwohl er dringend eines gebraucht hätte, sagt er. Um einen Mietvertrag oder einen Stromanschluss zu bekommen, brauche man ein Bankkonto. Auch bei der Arbeitssuche sei die fehlende Kontonummer ein Problem gewesen, ergänzt die Frau des 59-Jährigen.

Freiwillige Aktionen

Fündig geworden ist der heutige Pensionist schließlich bei der sogenannten Zweiten Sparkasse, einem Projekt der Erste Bank. Dort bekommen auch verschuldete Menschen ein Konto, allerdings ist das auf drei Jahre befristet - und man braucht dafür ein Empfehlungsschreiben der Schuldnerberatung oder der Caritas. Auch die BAWAG PSK und die Bank Austria bieten mittlerweile solche Konten unter bestimmten Auflagen und auf freiwilliger Basis an.

150.000 ohne Konto

Ein verpflichtendes Konto für jeden, davon hält Zweite-Sparkasse-Vorstand Gerhard Ruprecht wenig. Es gehe darum, die dahinter stehenden Probleme dieser Menschen zu lösen und ihnen dabei zu helfen, finanziell wieder auf die Beine zu kommen. Trotz freiwilliger Maßnahmen der Banken sind in Österreich laut Arbeiterkammer noch immer 150.000 Menschen ohne Bankkonto.