Bankkonto als Grundrecht

Banken reißen sich um zahlungskräftige Kunden. Sozial Schwache, Menschen mit Schulden, Arbeitslose haben dagegen oft Schwierigkeiten, bei einer Bank ein Konto zu bekommen. Die EU-Kommission will, dass jeder Bürger das Recht auf ein eigenes Bankkonto hat - auch wenn es ihm finanziell schlechtgeht.

Morgenjournal, 26.7.2011

Ernst Kernmayer

Nur Empfehlung an Banken

Es ist dann doch ein bisschen weniger geworden. Eine verbindliche Regelung hat die EU-Kommission noch vor wenigen Monaten angekündigt. Jetzt gibt es die Empfehlung, jedem EU-Bürger das Recht auf ein eigenes Konto einzuräumen. Immerhin: Wenn innerhalb eines Jahres nichts geschieht, kommt eine Verpflichtung, verspricht Binnenmarktkommissar Michel Barnier: "Wir sehen hier eine Ungerechtigkeit und wollen, dass ein eigenes Konto als Grundrecht in der ganzen Union anerkannt wird."

Zumindest Basisdienste

30 Millionen EU-Bürger über 18 haben derzeit kein eigenes Konto. Es handelt sich zumeist um überschuldete Bankkunden, Arbeitslose oder Arme. Und ohne Konto gibt es oft keine Wohnung, keine Arbeit und Schwierigkeiten beim Einkaufen.

EU-Kommissar Barnier will, dass die Banken zumindest Konten mit Basisdiensten wie Einzahlungen, Abhebungen und Überweisungen anbieten. Kontoüberziehung soll ausgenommen sein.

Konsumentenschützer enttäuscht

Konsumentenschützer fordern seit langem das Recht auf ein Bankkonto und sind enttäuscht über die laxe Lösung mit einer bloßen Empfehlung, so die Direktorin der Europäischen Konsumenten-Organisation, Monique Goyens: "Es sollte eine verpflichtende Regelung geben. Wir sind da etwas weniger optimistisch, wenn den Banken die Initiative zum Wohl der Konsumenten überlassen wird."

430 Euro Zahlscheingebühr

In Österreich haben derzeit 150.000 Menschen kein eigenes Konto, wie die Arbeiterkammer erhoben hat. Ein durchschnittlicher Bankkunde zahlt demnach jährlich 74 Euro für die Kontoführung. Wer kein Konto hat, kommt bei zehn Überweisungen im Monat allein an Zahlscheingebühren auf jährlich 430 Euro.