Dow sackt ab - trotz Obamas Einsatz

Amerikas Verlust der Kreditbestnote AAA hat den US-Börsen am Montag massive Verluste beschert. Am ersten Handelstag nach der Bekanntgabe der Herabstufung haben alle wichtigen Aktienindizes mehr als fünf Prozent verloren. Daran konnte auch ein öffentlicher Auftritt von US-Präsident Obama nichts ändern.

Morgenjournal, 09.08.2011

Eine Billion Dollar Verlust

Mit dem Leuten der Börsenglocke endet an der Wall Street ein weiterer Tag der Negativrekorde. Der sechstschlimmste Kursabsturz seit 112 Jahren und der schlimmste seit Dezember 2008. Mehr als eine Billion Dollar Anlegervermögen geht an der Wall Street allein gestern zumindest auf dem Papier verloren. Der Dow Jones Industrial Index sackte 634,76 Punkte oder 5,55 Prozent auf 10.809,85 Einheiten ab.

"Überall Verzweiflung"

Die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agentur Standard & Poor's war wohl so etwas wie der sprichwörtliche Tropfen, der für die Anleger das Fass zum Überlaufen gebracht hat - neben der Schuldenkrise in Europa und dem anhaltend schwachen Wirtschaftswachstum in den USA. "Da ist überall Verzweiflung", erzählt der Börsenhändler Tarek Javed von MS Strategies, "sie werden da drinnen kein Lächeln sehen."

Kein Impuls von Obama

Der erste öffentliche Auftritt von US-Präsident Barack Obama seit der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit bringt am Nachmittag nicht die erhoffte Beruhigung. Obama betont dabei: "Wir waren und werden immer ein Triple-A-Land bleiben, egal was irgendeine Rating-Agentur sagt." Die Probleme der USA seien mit Vernunft und Kompromissbereitschaft lösbar, so Obama. Und er fordert neuerlich Steuern für Reiche, signalisiert aber gleichzeitig auch seinen Bereitschaft zu Reformen von Gesundheitsprogrammen.

Anleihen weiter gefragt

Aber auch US-Staatsanleihen werden weiter als krisensichere Anlageform gesehen. Die Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit hat sich genau dort nicht ausgewirkt, wo man es erwartet hätte.

Was tut die Notenbank?

Heute warten hier in den USA Anleger und Analysten gespannt auf die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Ihr Chef Ben Bernanke hat allerdings keinen großen Spielraum mehr für konkrete wirtschaftspolitische Maßnahmen. Der US-Leitzinssatz liegt bereits auf einem Rekordtief von knapp über null, ein weiterer Ankauf von US-Staatsanleihen durch die Fed gilt derzeit als sehr unwahrscheinlich.

Aber Ben Bernanke könnte indirekt das Vertrauen der Anleger stärken, etwa indem er signalisiert, dass die Notenbank die Zinsen länger niedrig halten wird als erwartet, oder mit Überzeugungsarbeit, indem die Notenbank ihr Vertrauen in das US-Wirtschaftswachstum ausspricht.