Georg Schmiedleitner im Gespräch

Wie inszeniert man Nestroy?

Wenige Nestroy-Inszenierungen haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten überzeugt. Unvergesslich ist jedoch Georg Schmiedleitners "Der Zerissene" am Wiener Volkstheater. Nun hat er fürs Theater in der Josefstadt "Lumpazivagabundus" in Szene gesetzt - mit zwei großen alten Stars der Nestroy-Pflege: Lotte Ledl und Erni Mangold.

Kulturjournal, 14.09.2011

Die erste Premiere des Theaters in der Josefstadt in Wien nach der Sommerpause gilt Nestroys berühmter Posse "Lumpazivagabundus". Im Juni hat man sich darauf geeinigt, dass man nicht eine Neufassung durch den österreichischen Gegenwartsautor Franzobel spielt, sondern das Originalstück - wohl auch deswegen, weil das Original aktuell genug ist: Schuldenkrise und Zahlungsnot, Korruption und Verbrechen, es ist alles schon da bei Nestroy. Und Lumpazivagabundus, der böse Geist, treibt die Menschen vor sich her, da nützt es auch nicht, wenn Fortuna ihre Glückshorn ausschüttet.

Erni Mangold als Lumpazi und Lotte Ledl als Fortuna, beide über achtzig, Urgestein des Wiener Theaters und große Nestroyspielerinnen, stehen an der Spitze der überaus gelungenen Besetzung. Florian Teichtmeister, Martin Zauner und Rafael Schuchter sind das liederliche Kleeblatt, die drei Vagabunden, die durch Fortuna zu Geld kommen, das von zweien sofort verjuxt wird.

Georg Schmiedleitner, wohl einer der besten Nestroy-Regisseure, die das Land hat, bekannt für einen legendären "Zerissenen" mit Karl Heinz Hackl am Burgtheater vor rund einer Dekade, inszeniert reduziert auf einer leeren Bühne, ohne das Zauberspiel zu verraten. Aber "den biedermeierlichen Zuckerguss" brauche es nicht mehr, sagt er, "weil Nestroy ein sehr aktueller Autor ist, der immer lauernd auf die Realität wartet, bis sie zubeißen kann."

Die Musikgruppe Sofa Surfers hat Georg Schmiedleitner zu seiner Inszenierung eingeladen, die auch dadurch einen sehr heutigen Touch bekommt. Er hat die Musiker gefragt, wie sie zu Nestroy stehen, und hat dadurch auch einige Impulse bekommen. "Lumpazivagabundus" im Theater in der Josefstadt könnte endlich wieder einmal eine gelungene Nestroy-Inszenierung werden. Auf die Premiere darf man sehr gespannt sein.

Textfassung: Ruth Halle

service

Johann Nestroy, "Der böse Geist Lumpazivagabundus", ab 15. September 2011, Theater in der Josefstadt,
Ö1 Club-Mitglieder bekommen ermäßigten Eintritt (zehn Prozent an der Abendkasse).

Theater in der Josefstadt