Theologe Küng unterstützt Pfarrer-Initiative

Innerhalb der katholischen Kirche Österreichs sorgt derzeit die Pfarrer-Initiative für Unruhe. Noch deutlicher als sie hat vor einem Jahr der Schweizer Theologe Hans Küng die Bischöfe zum Ungehorsam gegen den Papst aufgerufen.

Mittagsjournal, 15.09.2011

Der Schweizer Theologe Hans Küng im Ö1-Gespräch mit

Nach einer langen Atempause hat der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, auf die sogenannte Pfarrerinitiative reagiert, in der vierhundert Priester zum Ungehorsam gegen kirchliche Regeln aufrufen. Im Amtsblatt seiner Diözese ruft Schönborn die Katholiken dazu auf, das gemeinsame Priestertum aller getauften Frauen und Männer ernst zu nehmen. Nur am Rand geht er auf die Forderungen der Pfarrerinitiative ein: es sei nicht wichtig, auf Regeländerungen durch die Weltkirche zu warten, sondern lebendige Keimzellen in der Welt zu bilden und den Aufbruch des Zweiten Vaticanums ernst zu nehmen.

Noch keine Spaltung

Vierhundert Priester in Österreich rufen zum Ungehorsam auf und kündigen an, kirchliche Regeln zu verletzen: ist das schon Kirchenspaltung, Schisma, ein historischer Bruch? Der Schweizer Theologe Hans Küng, meint Nein, es sei nur ein Anzeichen, dass Widerstand geleistet werden müsse.

Gegen Frauen kein theologisches Argument

Bei den Anliegen der Pfarrerinitiative geht es um innerkirchlichen Probleme, wie die Kommunion für Gläubige, die nach einer Scheidung wieder geheiratet haben - aber auch um gesellschaftspolitische Fragen: dass Frauen nicht zur Priesterweihe zugelassen werden, das wird als diskriminierend angesehen. Gegen die Frau als Priesterin, gibt es aber laut Küng kein theologisches Argument. Die Sache werde im Evangelium gar nicht behandelt, außer dass Frauen eine große Rolle im Leben von Jesus gespielt hätten. Insoweit hinke die Kurie weit hinter dem Neuen Testament hinterher und es verstoße gegen die Menschenrechte, so Küng.

Endlich Stimme erheben

Wenn die Katholischen Gemeinden in Österreich verheiratete Priester und Frauen als Pfarrer wollen, hätte die österreichische Bischofskonferenz die Pflicht, dies auch einmal laut in Rom zu sagen, so Küng.

Küng in Ungnade

Das Zweite Vatikanum in den Sechzigerjahren hat der Schweizer Theologe Hans Küng als Berater mitgeprägt - gemeinsam mit Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst. 1979 hat Ratzinger damals als Chef der Glaubenskongregation Hans Küng die kirchliche Lehrbefugnis entzogen. Vor zehn Jahren hat Hans Küng, der nach wie vor Priester der römisch-katholischen Kirche ist, auf Einladung von Kofi Anan vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen einen Bericht zum Dialog der Kulturen präsentiert.