Schwellenländer als Retter?

In der Krise erscheint China vielen als Retter in der Not. Nun machen es auch die anderen Schwellenländer China nach. Brasilien, Russland, Indien und Südafrika bieten Nothilfe an. In Washington hat die unter dem Kürzel "BRICS" bekannte Gruppe über den Kauf europäischer Staatsanleihen beraten.

Mittagsjournal, 23.9.2011

Barbara Herbst

China mit Forderungen

Die zweitgrößte Volkswirtschaft China hat allerdings nichts zu verschenken. Premier Wen Jiabao hat seine Forderungen schon genannt. Von den USA verlangt er eine Öffnung des Marktes für chinesische Unternehmen. Und von Europa fordert er endlich die Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft.

"Große Krise droht"

Die Idee zur Nothilfe stammt von Brasiliens Finanzminister. Guido Mantega meldet sich in Washington denn auch gleich zu Wort: "Das Epizentrum der Krise ist dieses Mal die Europäische Union, vor drei Jahren waren es noch die USA, die die Welt in eine tiefe Finanzkrise gestürzt haben. Europa muss jetzt schnell und entschieden handeln. Sonst droht eine große Krise", sagt Mantega. Denn die hohen Schulden ziehen auch die Schwellenländer mit in den Strudel.

"Mit jedem Tag wird die Krise teurer und komplizierter zu lösen", warnt Mantega.

Nackte Angst

Es ist die nackte Angst, die aus den Finanzministern von Brasilien, Indien, Russland, China und Südafrika spricht. Die Buhmänner sind die Industrieländer. Sie würden mit ihren Schulden das Wachstum in ihren aufstrebenden Ländern behindern.

China hat der EU schon konkret Hilfe angeboten. Einzelne Länder wie Italien und Griechenland sind schon in Gesprächen über Investitionen. Doch auch diese Hilfe hat ihren Preis. Investitionsfreiheit für chinesische Unternehmen im Westen und die Anerkennung als Marktwirtschaft.

BRICS-Länder: "Beitrag leisten"

Die anderen BRICS-Länder halten sich noch bedeckt. Sie lassen wissen, gegebenenfalls über den Internationalen Währungsfonds und andere internationale Finanzinstitutionen einen Beitrag zur Problemlösung leisten zu wollen.

Das Treffen endet mit einer Warnung. Die Industrieländer sollten eine verantwortungsvolle Wirtschafts- und Finanzpolitik betreiben. Sie selbst wollen künftig enger zusammenrücken und mehr Handel treiben. Das soll ihren Währungen mehr Gewicht verleihen - das Ziel der aufstrebenden Wirtschaftsmächte.