"Free Men" eröffnet Jüdisches Filmfestival

Zum bereits 18. Mal findet heuer in Wien das Jüdische Filmfestival statt. Gezeigt werden rund 40 Filme, die sich mit jüdischen Thematiken in den unterschiedlichsten Kontexten befassen. Eröffnet wird das Festival am Donnerstag, 17. November 2011 im Wiener Urania Kino mit dem Film "Free Men" des französisch-marokkanischen Regisseurs Ismael Ferroukhi.

Kultur aktuell, 16.11.2011

Kampf für die Freiheit

Das von den Nationalsozialisten besetzte Paris im Jahr 1942: Ein junger Immigrant aus Algerien schließt sich der Resistance an. Führt anfangs Botendienste durch und unterstützt jüdische Flüchtlinge, bis er schließlich selbst in den bewaffneten Konflikt gerät. In einer Pariser Moschee, zentraler Spielort des Films, trifft er auf seinen Cousin. "Ich kämpfe für die Freiheit" heißt es da: "Heute in Frankreich, morgen in Algerien und in ganz Nordafrika."

Angesichts der jüngsten politischen Umstürze in Nordafrika und der arabischen Welt wirkt "Free Men" wie eine große Metapher für politischen Widerstand. Ohne große Sentimentalität entwirft Ferroukhi ein faszinierendes Bild des Freiheitskampfes, der Solidarität, aber auch der schlichten Suche nach Normalität im Kampf um das Überleben. Ein Film, so Festivalleiterin Monika Kaczek, der damit zur Eröffnung auch schon die thematische Tonalität des heurigen Festivals vorgebe.

Dokumentiertes Engagement

Zivilcourage und persönliches Engagement, wenn etwa in "Joanna" eine junge Frau in Polen ein jüdisches Mädchen versteckt. Oder der Einsatz jüdischer Aktivisten in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, dokumentiert in Connie Fields und Marilyn Mulfords "Freedom on my mind".

Protestaufmärsche in Israel

Im Frühsommer dieses Jahres fanden in Israel die größten Protestaufmärsche in der Geschichte des Landes statt. Gegen soziale Ungerechtigkeit und die neoliberale Politik der Regierung. Letztlich Fragen der Verteilung. Der israelische Dokumentarfilm "The Shakshuka System" gibt einen Einblick in jenes System, das mit Anlass für diese Demonstrationen war. Zeigt beispielhaft die dubiosen Verflechtungen zwischen Regierung und wohlhabenden Unternehmerfamilien.

"Das geht über eine der zehn reichsten Familien Israels, die quasi das Ganze Land für sich - auch gemeinsam mit der Regierung - packeln", so Kaczek. "Das Agieren dieser Familie war einer der Auslöser für diese Zeltstädte in Tel Aviv."

Streit mit Kultusgemeinde beigelegt

In den vergangenen Jahren ist es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Organisatoren des jüdischen Filmfestivals und der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gekommen, die aufgrund inhaltlicher Meinungsverschiedenheiten ihre Unterstützung verweigert hat. Differenzen, die inzwischen aber ausgeräumt seien, so Kaczek: "Heuer ist vermutlich die von uns gewünschte friedliche Koexistenz der Fall. Und wir würden uns sehr freuen, wenn es weiter so bleiben würde."

Nach der Eröffnung im Urania-Kino übersiedelt das Festival dann wie gewohnt in Votiv- und De-France-Kino.

Textfassung: Rainer Elstner

Service

Jüdisches Filmfestival Wien, 17. November bis 4. Dezember 2011

Jüdisches Filmfestival Wien