Stadtplanung in Wien

UrbanRESET ist der Titel eines Symposiums zum Thema Stadtplanung, das am 1. Dezember 2012 an der TU Wien stattfindet. Das Thema: Was soll man tun mit ehemaligen Industriearealen, die mitten im städtischen Raum leer stehen? Kann man flexible Nachnutzungen bereits im Neubau mitdenken?

Zum Auftakt gab es bereits eine Diskussionsveranstaltung im Architekturzentrum Wien. Am Podium saßen internationale Stadtplaner und Architekten aus Hamburg, Kassel und Zürich, sowie Wiens Stadträtin für Stadtentwicklung, Maria Vassilakou.

Kulturjournal, 01.12.2011

Ob es nun das ORF-Zentrum am Küniglberg ist oder das Otto-Wagner-Spital auf der Baumgartner Höhe. Immer wieder gibt es große innerstädtische Areale, die einer neuen Nutzung zugeführt werden müssen. Die Diskussionskultur zu solchen städtebaulichen Themen steckt noch in den Kinderschuhen, die Stadtplanung auch.

Eine Untersuchung des Berlage Instituts in Rotterdam stellt gar fest: Es gibt gar keine Stadtplanung in Wien, weil die ehemalige Habsburger-Metropole dermaßen überdimensioniert ist, dass hier eigentlich noch zwei Millionen Menschen fehlen. Daher fand Stadtentwicklung hierzulande oft ohne allzu viel Konzept statt - wie etwa in der ehemaligen Stadt des Kindes im 14. Bezirk oder rund um den Schlachthof und die Rinderhallen in St. Marx. Entschleunigung und Bürger- und Bürgerinnen-Beteiligung nennt die seit einem Jahr zuständige Stadträtin Maria Vassilakou als Rezept für bessere Stadtplanung.

Neue Fragestellungen für neue Lösungsansätze

Vassilkakou sieht Wiens innerstädtische Brachen unter immer stärkeren Verwertungsdruck kommen. Immerhin wächst die Stadt stark und braucht viele neue Wohnungen jährlich. Mit Entschleunigung soll etwa die Debatte um die Baumgartner Höhe entkrampft werden.

Auch der Morzinplatz kann mit dieser Methode nach und nach ein neues Gesicht bekommen, wie es beim Gürtel, einem der erfolgreichsten Stadtplanungsprojekte in Wien, schon in den 1990ern gelungen ist. Federführend war dort Architektin Silja Tillner. Sie sagt, wichtig seien neue Fragestellungen, damit neue Lösungsansätze gefunden werden können - auch wenn sie damals bei Kollegen auf großes Unverständnis stieß, die sagten, man müsse am Gürtel zuerst einmal das Verkehrsproblem lösen.

Nutzungsneutrale Stadtbahnbögen

Interessant, dass Otto Wagner die Stadtbahnbögen bereits nutzungsneutral geplant und vier Kamine pro Bogen eingebaut hat. Das Wissen, dass nutzungsneutrales Bauen klug ist, ging schon in der Zwischenkriegszeit verloren. Neubauten wurden immer spezialisierter und verloren die vielfältige Nutzbarkeit der Jahrhundertwendebauten. Auch wenn Städtebauer das jetzt wieder einfordern: die Bauherren wollen davon selten etwas wissen.

Während in Amsterdam die Bürger in riesigen Diskussionen in Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden, ist das in Österreich selten der Fall. Egal, wie welche Nutzungen vorgesehen werden: Man sollte schon bei Neubauten das Thema Umnutzung mitdenken.

Als Paradebeispiel für gelungene Umnutzung nennt Dietmar Steiner, Leiter des Architekturzentrums Wien, ein 19 Stock hohes Gebäude in Manhattan, das 1931 errichtet wurde, von einer Bahngesellschaft. Heute sind in den sechs Meter hohen Etagen Wohnungen, Ateliers und Büros untergebracht. So müssten Gebäude konzipiert sein, die für mehrere Lebensabschnitte gewappnet sein wollen. Und das wird in Zukunft immer mehr gefragt sein.

Textfassung: Ruth Halle

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