Everyday Rebellion

"Everyday Rebellion", die alltägliche Revolte, heißt ein Filmprojekt von Arash und Arman T. Riahi, das derzeit in Entstehung ist und Ende dieses Jahres abgedreht sein soll. Die Idee dafür entstand 2009, als im Iran Tausende Menschen gegen die angeblich gefälschten Ergebnisse der Präsidentschaftswahl demonstrierten und sichtbar machten, wie breit der Widerstand gegen das Regime ist.

Für das Filmprojekt "Everyday Rebellion" dokumentieren die Brüder Riahi Protestaktionen, sie sprechen mit Aktivisten und wollen - über den Kinofilm hinaus - eine Informationssammlung zu gewaltlosem Widerstand aufbauen.

Kulturjournal, 12.01.2012

Wie schütze ich mich gegen Tränengas? Welche Möglichkeiten gibt es, rasch Menschen zu mobilisieren, wenn das Internet abgedreht ist? Und was ist bei der Planung des Umsturzes zu beachten? Solche Grundfragen der Revolutionspraxis werden auf der Website des Projekts "Everyday Rebellion" beantwortet, ergänzt durch eine ausführliche Literaturliste zu den Themen Demokratie, Frieden, Freiheit und gewaltloser Widerstand. Initiiert wurde das Projekt von Arman und Arash Riahi. Die Brüder wurden im Iran geboren und leben als Filmemacher in Wien.

"Die Methoden des gewaltlosen Widerstands wollen wir sammeln, die Menschen mobilisieren, dass sie uns ihre Geschichten schicken", so Arash Riahi. Sie wollen gewaltlos die Welt verbessern.

"Die Revolution wird nicht getwittert"

"Everyday Rebellion" ist ein Cross-Media-Projekt, das heißt, der Dokumentarfilm und das Webportal entstehen zeitgleich und ergänzen einander. Einbezogen werden auch Netzwerke wie Twitter und Facebook, denen eine wichtige Rolle in der Organisation der Demonstrationen - ob im arabischen Raum oder im Westen - zugeschrieben wird. Die Bedeutung der neuen Technologien will Arman Riahi jedoch nicht überbewerten:

"Wie auch die Aktivisten selber sagen: Die Revolution wird nicht getwittert. Aber die sozialen Netzwerke sind doch ein effektives Medium, um Nachrichten zu verbreiten. Das trifft auch auf uns zu, wenn wir diesen Film machen wollen. Die sozialen Medien sind Teil dieser Revolution. Früher horizontal aufgebaut, jetzt sind sie die, die die Menschen nützen können."

Laut...

Zur Eröffnung der Aktivitäten auf der Seite everydayrebellion.com haben Arash und Arman Riahi einen Video-Adventkalender gestaltet. Der Protagonist ist Srdja Popovic, Mitglied der Widerstandsgruppe Otpor, die in Serbien zum Sturz von Slobodan Milosevic beigetragen hat. Aufbauend auf diesen Erfahrungen, hat Popovic die Nichtregierungsorganisation "Centre for Applied Nonviolent Action and Strategies" mitgegründet, die Aktivisten mit Strategie-Beratung unterstützt.

Über diesen Weg war Popovic an der "Rosenrevolution" in Georgien und an der "Orange Revolution" in der Ukraine beteiligt, aber auch am Umsturz in Ägypten und anderen Protestbewegungen im arabischen Raum. Einfache Methoden, um Unruhe zu stiften - freilich ohne Gewalt anzuwenden -, sind überall anwendbar. Lärm ist eine davon.

"So ist es in Serbien passiert, davor in Lateinamerika und jetzt bei Occupy Wall Street", so Arash Riahi, "mit den Töpfen auf der Straße Lärm gemacht - ein Trommelkonzert. Es sind einfache Methoden, aber man kann jemanden, der auf einen Topf schlägt, nicht ins Gefängnis stecken."

... und leise

An verschiedenen Orten der Welt finden die Dreharbeiten statt: Ägypten, New York, Kopenhagen, Venezuela, und auch im Iran. Dort ist die Protestbewegung seit den Aufständen 2009 sehr aktiv, wenn auch versteckt. Protest kann auch sehr leise sein.

"Dieser tägliche Widerstand ist für uns etwas sehr Poetisches", sagt Arman Riahi. Es gebe im Iran zum Beispiel sehr viele Graffitis. Oder wenn die Revolutionsgarde oder Sittenpolizei auftaucht, hupen die Menschen in den Autos, oder im Autobus singen sie Freiheitslieder "und dann steigen sie aus und die Sache ist gegessen".

Jeder Widerstand, so Arash und Arman Riahi, kann die Welt verändern. Aktivisten, Revolutionäre oder auch stille Beobachter sind eingeladen, ihre Erfahrungen auf der Website von "Everyday Rebellion" auszutauschen. Diese soll eine Quelle der Information und Inspiration werden. Der Dokumentarfilm "Everyday Rebellion" soll dann in einem Jahr in den Kinos anlaufen.

Textfassung: Ruth Halle