Festnahmen bei Demo in Moskau

Der angeblich so überzeugende Wahlsieg vom Sonntag hat Wladimir Putin allem Anschein nach nicht wirklich entspannt - im Gegenteil: Die Regierung geht mit gegen Demonstranten vor, die den angeblichen Triumph Putins nicht anerkennen wollen: Am Abend sind in Moskau tausende Gegner Putins auf die Straße gegangen. Die Polizei hat hunderte von ihnen festgenommen.

Morgenjournal, 6.3.2012

Christian Lininger berichtet aus Moskau.

Oppositionsführer verhaftet

Bei Protesten gegen die Wahl von Wladimir Putin zum neuen russischen Präsidenten hat die Polizei am Montag in Moskau und St. Petersburg rund 500 Demonstranten festgenommen. Unter ihnen befanden sich auch zahlreiche prominente Putin-Gegner. In Moskau wurde der bekannte Blogger Alexej Nawalny, der in Oppositionskreisen als möglicher künftiger Präsidentschaftskandidat gehandelt wird, ebenso abgeführt wie der Linkspolitiker Sergej Udalzow. Nach einer genehmigten Kundgebung mit bis zu 20.000 Teilnehmern im Zentrum der Hauptstadt hatten sich Dutzende Putin-Gegner geweigert, den Platz zu verlassen. Die Polizei griff daraufhin zu und führte auch die Oppositionellen Jewgenija Tschirikowa und Ilja Jaschin ab. Die beiden waren in den vergangenen Monaten ebenfalls zu Führungsfiguren der Anti-Putin-Bewegung geworden.

Roter Platz abgeriegelt

Zuvor waren bei einer zweiten, nicht genehmigten Kundgebung in der russischen Hauptstadt mindestens 100 Oppositionelle festgenommen worden. "Insgesamt wurden in Moskau mindestens 220 Demonstranten festgenommen", sagte am Abend ein Behördensprecher. Zahlreiche Putin-Gegner zogen zum Roten Platz weiter, den die Polizei hermetisch abgeriegelt hatte. In der Nähe feierten zugleich nach offiziellen Angaben etwa 10.000 Jugendliche bei einer erlaubten Versammlung die Rückkehr von Putin in den Kreml.

Nawalny nach Gedstrafe frei

Alexej Nawalny wurde später gegen eine Geldstrafe freigelassen. Das meldete die Agentur Interfax in der Nacht zu Dienstag (Ortszeit) in Moskau. Auch der Linkspolitiker Sergej Udalzow sollte bald auf freiem Fuß sein. Ilja Jaschin hingegen beklagte am Abend, er werde seit mehreren Stunden mit 19 anderen Festgenommenen in einem Polizeibus festgehalten. Der Multimilliardär Michail Prochorow, der bei der Wahl den dritten Platz belegt hatte, verurteilte die Festnahmen. "Es war eine friedliche Kundgebung. Ich bin empört über die Gewalt." Prochorow war ebenfalls bei der Kundgebung aufgetreten. (APA, Red.)