Architekturfestival Turn On

Am Wochenende gab es im RadioKulturhaus ein hochkarätig besetztes Architektursymposium. Unter den Teilnehmern von Turn On war auch der französische Stararchitekt Dominique Perrault. Er realisiert gerade auf der Wiener Donauplatte die DC Towers, zwei Wolkenkratzer die nach ihrer Fertigstellung die höchsten Gebäude Österreichs sein werden.

Kultur aktuell, 12.03.2012

Eine neue Achse für Wien

Der erste der Zwillingstürme, die übrigens nicht gleich hoch sein werden, ist gerade im Bau, er wird eine Höhe von 220 Metern erreichen. Beide Wolkenkratzer sollen eine Art Tor zur Innenstadt werden. Dominique Perrault sieht die Aufgabe doppelt: einerseits wird die Skyline verändert, das ist die vertikale Dimension, aber auch horizontal wird das Viertel der Donauplatte verändert. Sie soll bis zum Donauufer neu gestaltet werden.

Perrault vergleicht die Donauplatte mit dem Pariser Wolkenkratzerviertel La Défense, dort gibt es mit der Grande Arche eine Achse über die Champs Elysées bis zum Louvre. Auch in Wien wird es so eine Achse zur Donau und weiter zum Stephansdom geben.

"Es wird sich um ein Tor handeln, darum ist es wichtig, dass es zwei Gebäude sind, die nicht isoliert sind, sie sollen nicht Junggesellen bleiben", sagt Dominique Perrault, sondern miteinander einen Dialog führen und eine Choreographie bilden.

Geklärte und ungeklärte Probleme

Ein großes Problem, wenn man zwei so hohe Gebäude nebeneinanderstellt, ist der Wind, der gewissermaßen gebrochen wird und dann als Fallwind nach unten bläst. So hat man mit Modellen im Windkanal experimentiert, und eine Lösung gefunden, die so aussieht, dass ein System von Schutzschirmen aus Metall an den Fassaden angebracht wird, das diese Unannehmlichkeiten für die Bewohner und Passanten eliminieren soll.

Im Moment ist die Finanzierung des zweiten Gebäudes nicht restlos geklärt, aber Dominique Perrault bleibt optimistisch: er habe noch nie ein Projekt erlebt, wo es keine Geldprobleme gegeben hätte, ob in Krisenzeiten oder nicht, meint er.

Die Ehrfurcht des Architekten

Dominique Perrault arbeitet also an einem neuen, modernen Wahrzeichen für Wien. Er hat schon einige Großprojekte realisiert, wie etwa die neue Nationalbibliothek in Paris, die Bibliothèque François Mitterrand, in Form von vier monumentalen offenen Büchern. Was fühlt er, wenn er daran vorbeifährt? Die Antwort mag überraschend sein: "Der Moment, wenn man anfängt, das Projekt zu realisieren, ist der spannendste. Man gräbt in den Boden und die Realität nimmt Form an. Da werden die Zeichnungen zur Realität, das Virtuelle zum Physischen" und da erfasse ihn regelmäßig ein Schauder.

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