Friedkin inszeniert "Hoffmanns Erzählungen"

E. T. A. Hoffmann erschuf Dämonen, dunkle Gestalten, das Grauen - eine Welt, in der sich US-Regisseur William Friedkin wohlfühlt. Mit seinem Horrorklassiker "Der Exorzist" wurde er 1973 zur Legende, der Streifen gilt als bester Horrorfilm aller Zeiten.

Nur logisch erscheint deshalb die Entscheidung des Theaters an der Wien, Friedkin für die neue Inszenierung von "Hoffmanns Erzählungen" an Bord zu holen. Premiere ist am Montag, 19. März 2012.

Kulturjournal, 19.03.2012

William Friedkin im Gespräch

Mittagsjournal, 19.03.2012

William Friedkin sieht heute nicht mehr allzu viele Filme. Damals in den 1960er Jahren waren sie fast täglich im Kino, Martin Scorcese, Sam Peckinpah, Hal Ashby und all die anderen Regisseure, die dann unter dem Label "New Hollywood" firmierten und vor allem von europäischen Filmen à la Jean Renoir und Antonioni lernten.

Seit 15 Jahren inszeniert William Friedkin auch Opern wie einige seiner Regiekollegen vom Film, man denke an Visconti, Zeffirelli oder John Schlesinger. Bevor Zubin Mehta ihn bat, Bergs "Wozzeck" für den Maggio Musicale in Florenz zu inszenieren, war William Friedkin kaum je in der Oper. Das Opern-Inszenieren sei völlig anders, sagt er.

Das Dunkle und das Übernatürliche

Offenbachs Oper "Hoffmanns Erzählungen" könnte man als die perfekte Oper für den Schöpfer des "Exorzisten" bezeichnen. Denn auch in Friedkins Filmen geht es zumeist um das Dunkle und das Übernatürliche. In "Hoffmanns Erzählungen" gehe es darum, wie unsere gute Seite über die böse triumphieren könne, und das sei heute genau so aktuell wie damals, meint Friedkin. Hoffmanns Muse, seine Engel, seien im ständigen Kampf mit seinem Dämon, sagt Friedkin.

Auch in William Friedkins neuestem Film "Killer Joe", den er bei den vergangenen Filmfestspielen von Venedig präsentiert hat, geht es um diesen Kampf, wenn auch in sehr grotesker Weise: Eine biedere Familie heuert einen Killer an, um die Mutter umzubringen und an deren Lebensversicherung zu kommen. Ein ziemlich gewalttätiger, fast zynischer Film im Tarantino-Stil, der das Publikum hoffentlich mehr anspricht, als seine letzten Filme.

Weitere Pläne hat William Friedkin derzeit nicht - weder fürs Kino noch für die Oper. Er will nur seine Memoiren beenden, die noch dieses Jahr in Amerika herauskommen sollen.

Service

Ö1 Club-Mitglieder bekommen im Theater an der Wien ermäßigten Eintritt (zehn Prozent).

Theater an der Wien