Nordkorea missachtet Warnungen

Trotz internationaler Kritik will Nordkorea am Start einer Langstreckenrakete festhalten. Das hat die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur mitgeteilt. Mit der Rakete soll ein Satellit ins All geschossen werden. Zuvor hatte US-Präsident Obama und andere Staatsführer am Rande des internationalen Atomgipfels in Seoul Nordkorea vor einem solchen Schritt gewarnt.

Mittagsjournal, 27.3.2012

Aus Peking berichtet Jörg Winter.

China ruft zu Besonnenheit auf

Nordkorea werde niemals auf sein Recht verzichten, einen friedlichen Satelliten ins All zu schießen. Es handle sich um das legitime Recht eines souveränen Staates, lässt die stalinistische Führung in Pjöngjang verkünden. Appelle von US-Präsident Obama und anderen Staatsführern werden damit vom Tisch gewischt. Japan hat bereits seine Raketenabwehr verstärkt, Südkorea will den nordkoreanischen Flugkörper abschießen, sollte er südkoreanischen Luftraum verletzen. Doch wissen alle Beteiligten, dass es mit der neuen Führung in Pjöngjang möglicherweise auch neue Chancen gibt. Die USA haben erst jüngst ein Abkommen ausgehandelt, das Nordkorea Lebensmittelhilfe im Gegenzug für ein Moratorium von Atom- und Langstreckenraketentests zusichert. Und so ruft Chinas Präsident Hu Jintao zur Besonnenheit auf. Man solle die mühsam errungenen kleinen Fortschritte nicht sofort wieder aufs Spiel setzen meint, er.

Kampf gegen illegalen Nuklearhandel

Doch der heutige Tag des Atomsicherheitsgipfels in Seoul stand eigentlich ganz im Zeichen der Bekämpfung des Nuklearterrorismus. Laut Informationen der internationalen Atomenergiebehörde gab es in den vergangenen 20 Jahren rund 400 Fälle von illegalem Besitz oder illegalem Handel von radioaktiven Materialien. Obama: "Es gibt immer noch zu viele schlechte Akteure, die weltweit auf der Suche nach gefährlichen radioaktiven Materialen sind. Es würde nicht viel, nur eine Handvoll von solchen Materialen, reichen, um hunderttausende unschuldige Menschen zu töten", sagt US-Präsident Obama.

Peinlicher Mitschnitt

Mit Russland will Obama auch über eine weitere Reduzierung des Atomwaffenarsenals verhandeln. Allerdings erst nach den Präsidentenwahlen in den USA, da sei er flexibler, meint Obama beim Treffen mit Russlands scheidendem Präsidenten Medwedew. Der erwidert die Botschaft verstanden zu haben und sie seinem Nachfolger Vladimir, wie er sagt, übermitteln zu wollen. Gemeint ist Putin, der künftige Präsident Russlands. Peinlich nur, dass die Mikrofone der Medien bei diesem Gedankenaustausch noch nicht ausgeschaltet waren. Und so wird Obama jetzt zuhause von politischen Gegnern dafür kritisiert, den Russen angeblich versteckte Zugeständnisse machen zu wollen.

Man würde es kaum für möglich halten: Doch der amerikanische Wahlkampf, er reicht bis hierher nach Ostasien, zu einem Atomsicherheitsgipfel - der übrigens nicht gerade mit berauschenden Ergebnissen zu Ende gegangen ist.