Eine Hörspiel-Trilogie
Köhlmeiers Theorien
Er zählt ohne Frage zu den produktivsten österreichischen Autoren. Sein Werkverzeichnis umfasst mehr als drei Dutzend Bücher, dazu kommen Theaterstücke, Übersetzungen und unzählige Songs. Als Erzähler füllt er mühelos Säle, er moderiert den "Club 2", schreibt Gedichte und Essays.
8. April 2017, 21:58
Darüber hinaus aber ist Michael Köhlmeier einer der produktivsten Hörspielautoren des Landes. Mehr als dreißig Hörspiele hat er im Lauf von drei Jahrzehnten verfasst und teilweise selbst inszeniert. Die 36-teilige Familiensaga "Scheffknecht und Breuss" für das Landesstudio Vorarlberg noch gar nicht mitgerechnet. Michael Köhlmeier und das Hörspiel haben eine lange gemeinsame Geschichte. Noch als Student hat er für die Hörspielabteilung des Landestudios Vorarlberg Hörspiele lektoriert. Und sehr früh hat der Radiomitarbeiter Michael Köhlmeier die Möglichkeiten des Genres erkannt. Er experimentierte mit Originaltonhörspielen ("March Movie"), mit semidokumentarischen Stücken ("After Shave"), zwei seiner Hörspiele wurden vom Ö1 Publikum zum "Hörspiel des Jahres" gewählt.
Anfang der 1990er Jahre hatte der kreative Hörspielkopf eine zündende Idee: Er schrieb den beiden Schauspielern und versierten Synchronsprechern Christian Brückner und Wolfgang Dräger zwei Stücke auf den Leib. Die "Theorie des Heimzahlens" (1991) und die "Theorie des Aufrisses" (1992). Eine dritte "Theorie", die "Theorie der völligen Hilflosigkeit", sollte folgen.
Christian Brückner und Wolfgang Dräger sind Kinofreunden in erster Linie als die Synchronstimmen von Robert de Niro und von Woody Allen bekannt. Und da man in Hörspielen bekanntlich nichts sieht, machen sich in perfekter Vorgaukelung Woody Allen und Robert de Niro auf zu einem Rendezvous, das der eine, der souveräne de Niro, dem anderen, dem nervösen und unsicheren Woody Allen verschafft hat. Dass es dabei um die Frage geht, wie man am besten bei Frauen landet, verrät schon der mehrdeutige Titel "Theorie des Aufrisses".
In der "Theorie des Heimzahlens" ist man bereits einen Schritt weiter. Es geht um Liebe und Betrug. Und vor allem um die Frage, wie sich der gehörnte Mann an seinem Nebenbuhler am effizientesten rächen kann. Er bereitet sich mit Hilfe von Clausewitzs Strategiebrevier "Vom Kriege" auf die Begegnung mit dem Feinde vor. Im dritten Teil schließlich, der "Theorie der völligen Hilflosigkeit", steht eine Frau - gespielt von Désirée Nosbusch - im Mittelpunkt.
Weil sie ihrer Freundin den Mann ausgespannt hat, antwortet diese mit einem systematisch angelegten Rachefeldzug. Krieg und Liebe, so Köhlmeier in seinen "Theorien", weisen mehr Parallelen auf als man gemeinhin annimmt. Da wie dort geht es um Eroberungen, Männer wie Frauen reiten Attacken, planen strategisch, agieren taktisch, erleiden Niederlagen und tragen manchmal auch einen Sieg davon. Im April sendet Ö1 alle drei der Köhlmeier‘schen Theorien en bloc. Viel Vergnügen!
