Ansturm auf Psychotherapie

Krise: Burnout-Krankheiten nehmen zu

Der wachsende Druck in der Arbeitswelt löst einer neuen Studie zufolge vermehrt psychische Erkrankungen aus. Viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen versuchen mittels Psychotherapie gegenzusteuern. Die Nachfrage ist seit dem Beginn der Wirtschaftskrise noch einmal signifikant angestiegen.

Mittagsjournal,11.4.2012

Elisabeth Semrad

Mehr Arbeit für weniger Mitarbeiter

Aufstehen und zur Arbeit gehen - für viele Alltag und Normalität. Für die 56-jährige Trafikangestellte aus Wien aber jeden Tag aufs Neue eine große Herausforderung, die ihr alle Kräfte abverlangt. Sie spricht vom täglichen Druck, sodass sie am Abend die Kassa gar nicht mehr zählen kann.

2008, als die Wirtschaftskrise ihren Ausgang nahm, kündigte der Arbeitgeber der 56-Jährigen Wienerin einige seiner Mitarbeiter. Für die Trafikangestellte heißt das: deutlich mehr Arbeit. Der Druck am Arbeitsplatz habe seither stark zugenommen, zusätzlich fühle sie sich gemobbt. Seit drei Jahren wird die zweifache Mutter psychotherapeutisch behandelt. Ihr Arzt verschrieb ihr Anti-Depressiva. Sie hat Schlafstörungen und Angstzustände.

Ängste nehmen zu

Vielen geht es ähnlich wie der 56-jährigen Wienerin. 900.000 Menschen werden in Österreich laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger wegen seelischer Probleme jährlich behandelt. Tendenz steigend, sagt Eva Mückstein, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie.

Therapie auf Krankenschein verlangt

Eva Mückstein fordert, einerseits den Arbeitnehmerinnenschutz auszubauen und andererseits mehr Psychotherapie auf Krankenschein zu ermöglichen.

Auch die 56-jährige Trafikangestellte sucht wie viele andere seit Jahren um psychotherapeutische Behandlung auf Krankenkasse an, bislang aber ohne Erfolg. Sie sagt, sie könne die Leistung nicht mehr erbringen. sie würde gerne arbeiten, schaffe es oft aber seelisch und körperlich nicht.