Lehrer: Erstes Nein der Gewerkschaft

Für Zündstoff ist gesorgt, wenn die Regierung am Donnerstag beginnt, mit der Lehrergewerkschaft über ein neues Dienstrecht zu verhandeln: Junge Lehrer sollen künftig mehr verdienen, aber auch länger in der Schule sein. Die Lehrer-Gewerkschaft lehnt einige der kursierenden Vorschläge schon ab, beteuert aber, konstruktiv in die Verhandlungen gehen zu wollen.

Morgenjournal, 2.5.2012

Gewerkschaft "gespannt"

Allzu viel ist über die Pläne von Regierungsseite ist noch nicht bekannt. Dementsprechend erwartungsvoll geht der Chefverhandler der Lehrergewerkschaft Paul Kimberger in die erste Verhandlungsrunde: "Ich bin sehr gespannt, was da kommt und was da in diesem Geheimpapier drinnen steht." Fest steht, dass es beim neuen Lehrerdienstrecht auch ums Gehalt geht. Junglehrer sollen am Anfang mehr verdienen, dafür später die Gehaltskurve weniger stark steigen.

"Nicht annehmbar"

Der Regierung schwebt außerdem vor, dass neu eintretende Lehrerinnen und Lehrer künftig länger in der Schule anwesend sein sollen, was den Nachmittagsunterricht erleichtern soll. Allerdings soll diese Mehrarbeit nach den Vorstellungen der Regierung nicht voll abgegolten werden. Ein Vorschlag, der für Pflichtschullehrergewerkschafter Paul Kimberger nicht akzeptabel ist: "Keine Gewerkschaft kann zustimmen zu einer Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich. Das ist für mich nicht annehmbar."

Bessere Arbeitsbedingungen

Allerdings sollte nicht nur übers Gehalt geredet werden. Es gehe bei einem modernen Dienstrecht um ein Gesamtpaket, betont Kimberger, vor allem um die Arbeitsbedingungen an den Schulen. Lehrer brauchten mehr Platz zum Arbeiten, mehr Unterstützung durch Verwaltungspersonal, Sozialarbeiter und Psychologen, damit sich die Lehrer auf die Wissensvermittlung konzentrieren können. Ob es, wie von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) gewünscht, schon bis zum Sommer zumindest eine Einigung auf die Eckpunkte gibt, hänge ganz von der Regierung ab, sagt Lehrergewerkschafter Paul Kimberger: Meint es die Regierung ernst, könne es schnell gehen. Und: "Wenn sie es nicht ernst nimmt, wie in der Vergangenheit, dann wird es dementsprechend länger dauern."

Drei Ministerinnen

Auf Regierungsseite dürfte man die Verhandlungen ernst nehmen. Zumindest lässt die Anzahl der Verhandlerinnen darauf schließen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat dieses Mal Parteikollegin und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) zur Seite gestellt bekommen. Diese Verhandlungen sollen anders laufen als die missglückte Debatte vor drei Jahren über zwei Unterrichtsstunden mehr für alle Lehrer, die Unterrichtsministerin Schmied ganz alleine ausbaden musste.