Lehrerdienstrecht: Keine reine Geldfrage

Der Lehrberuf soll attraktiver werden, darüber will die Regierung ab kommenden Donnerstag mit der Gewerkschaft verhandeln. Im neuen Lehrerdienstrecht sollen auch die Gehälter für Junglehrer angehoben werden. Eine Lehrer-Initiative warnt in einem Brief an die zuständigen Ministerinnen davor, die Verhandlungen auf Geldfragen zu reduzieren.

Mittagsjournal, 30.4.2012

Wenige Details bekannt

Kommenden Donnerstag geht es also los mit den heiklen Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht. Seit Jahren wird darüber diskutiert, doch bis jetzt sind die jeweiligen Regierungen und die Lehrergewerkschaft auf keinen grünen Zweig gekommen, dieses Mal soll es endlich klappen. Und deswegen hat die Regierung gleich drei Ministerinnen für die Verhandlungen nominiert: Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), Finanzministerin Maria Fekter (ÖBP) und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

Von den Plänen der Ministerinnen sind bis jetzt nur ein paar Details bekannt: So sollen Lehrerinnen und Lehrer künftig länger an Schulen anwesend sein. Mehr Arbeitszeit also, die aber nur zum Teil abgegolten werden soll.
Und Lehrerinnen und Lehrer der Hauptschulen und Neuen Mittelschulen sollen künftig gleich viel verdienen wie ihre Kollegen der AHS-Unterstufe, denn sie leisten auch das gleiche, so das Argument.

Nicht nur Gehaltsfragen verhandeln

Alles schön und gut, findet das Netzwerk "Lehrerinnen für das Bildungsvolksbegehren", aber das könne noch nicht alles sein. In einem Brief an die drei Ministerinnen fordern sie, dass es bei den Verhandlungen für ein neues Dienstrecht nicht nur um Gehaltsfragen geht, sondern auch schulische und pädagogische Fragen verhandelt werden. Etwa dass Schulen größtmögliche Autonomie bekommen, Lehrinhalte überdacht werden oder mehr Raum in den Schulen geschaffen werden muss, damit Lehrer moderne Unterrichtsmethoden anwenden können. Daniel Landau, selbst Lehrer und einer der Initiatoren des Netzwerks Lehrerinnen für das Bildungsvolksbegehren, sagt, das neue Lehrerdienstrecht sei eine Chance, die genutzt werden müsse.

Frage der Ausbildung

Es sei auch zu wenig, dass zwar darüber nachgedacht wird, Lehrer der AHS-Unterstufe und der Haupt und Neuen Mittelschule das gleiche Gehalt zu bezahlen. Da müsse auch gleichzeitig über die gemeinsame Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen entschieden werden, so Landau: Die liege ja fertig im Kasten, da herrsche überraschend große Einigkeit. Es scheitere nur an der Frage, "wo das stattfinden soll", so Landau. Also an den Pädagogischen Hochschulen oder, wie von Landau favorisiert, an den Universitäten.

"Bis weißer Rauch aufsteigt"

Aus dem Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied heißt es zum Brief des Lehrernetzwerks, viele der Forderungen seien bekannt und ohnehin auch von ihr erwünscht, etwa die Forderung nach mehr Unterstützung der Lehrer durch Psychologen oder Sozialarbeiter. Bis zum Sommer will Schmied jedenfalls zumindest eine politische Einigung mit der bekannt hartnäckigen Lehrergewerkschaft erzielen, wenn es sein muss, auch in einer eigenen Klausur, in der so lange verhandelt wird, bis weißer Rauch aufsteigt, so Claudia Schmied.

Hörtipp

Um das Lehrerdienstrecht geht es auch in der Mittwochsrunde im Journal Panorama: Bei Astrid Plank diskutieren der Chefverhandler der Lehrergewerkschaft, Paul Kimberger, die frühere AHS-Direktorin Heidi Schrodt und der Grüne Bildungssprecher und frühere Schuldirektor Harald Walser. Mittwoch, 18.25 Uhr, Ö1