Jüdische und christliche Musik in Salzburg

Die "Ouverture spirituelle", die Konzertreihe geistlicher Musik zum Start der Salzburger Festspiele, führt heuer christliche Musik mit solcher des Judentums zusammen. Als authentischer Interpret ist für zwei Konzerte das Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta zu Gast. Auf dem Programm: Werke von Mahler und Schönberg, aber auch "Mechaye Hametin" von Noam Sheriff. Der israelische Komponist wird erstmals bei den Festspielen aufgeführt.

Mittagsjournal, 24.7.2012

Jüdische Musik werde von Juden für Juden gemacht, wurde bei einem Kongress vor gut 50 Jahren festgestellt. Aus der Sicht von Noam Sheriff: "Jüdische Musik ist Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Mendelssohn, Meyerbeer, Gershwin undsoweiter." Es gäbe etwas Gemeinsames in aller jüdischer Musik, meint er, und er betont vor allem den Einfluss des Hebräischen, die Melodien in dieser Sprache. Er selbst fühle sich drei Einflüssen ausgesetzt: "Meine Eltern kamen aus Russland, ich bin in Israel geboren, alle meine Musiklehrer waren deutsche Juden."

Kein Wagner in Israel

1935 wurde Noam Sheriff in Tel Aviv geboren, studiert hat er unter anderem in Salzburg im Mozarteum, mit Daniel Barenboim hat er in derselben Klasse dirigieren gelernt. "Mechaye Hametim" - "Auferstehung der Toten" - heißt das Chor-Orchesterwerk, das heute Abend aufgeführt wird. In dieses Werk versuchte er alles zu legen, was hineingehört, sagt Sheriff, "jüdische Musik, und es gibt Teile, die sind 3.000 Jahre alt".

In seiner Heimat hat Noam Sheriff verschiedene Orchester begründet und geleitet, unterrichtet hat er in Deutschland und in Israel, unter anderem auch die Musik von Richard Wagner, die er mit seinen Studenten einstudiert hat, denn "Wagner ist ein unentbehrlicher Teil der abendländischen Musik".

Für öffentliche Aufführungen der Musik von Richard Wagner sei es allerdings in Israel noch zu früh: "Zurzeit darf man Wagner nicht forcieren", an den Musikhochschulen werde Wagners Musik aber sehr wohl gelehrt, denn die Gefühle der Überlebenden des Holocaust dürfen durch Wagners Musik nicht verletzt werden.