Diskussion "Kultur und Nachhaltigkeit"

Was haben Kultur und Nachhaltigkeit miteinander zu tun? Dieser Frage ging gestern Abend eine Podiumsdiskussion der Bundeskammer für Architekten und Ingenieurskonsulenten in Wien nach. Teilnehmer dieser Podiumsdiskussion waren unter anderem der Zukunftsforscher Matthias Horx sowie der Nachhaltigkeitsforscher Hans Holzinger.

Morgenjournal, 18.9.2012

Der Stephansdom in Wien ist das Paradebeispiel eines nachhaltigen Gebäudes. Seit 800 Jahren in gleicher Funktion in Betrieb und ein Beispiel dafür, dass Schönheit für Würde und Inhalt steht. Architekt Roland Gnaiger meint, dass Schönheit für Nachhaltigkeit ein wichtiges Kriterium ist: "Alles was ohne Fantasie realisiert wird, wird es immer sehr schwer haben und wenn sich Nachhaltigkeit nicht mit diesen Qualitäten verbündet, dann gebe ich ihr keine große Chance."

Immaterielle Werte in unserer Kultur

Was die Menschheit - wie Schönheit - nachhaltig glücklich macht, hat Bestand. Wichtig sind in der Nachhaltigkeitsdebatte auch andere immaterielle Werte: In unserer Konsumkultur nützt die Werbung etwa die Sehnsucht der Menschen nach Freundschaft, Liebe und Anerkennung aus, um ihnen große Autos, überdimensionierte Eigenheime oder teure Kleidung als Statussymbole zu verkaufen, sagt Kunsthistorikerin und Konsumforscherin Gabriele Sorgo.

Der massive Arbeitsaufwand, der zum Erreichen solcher Statussymbole nötig ist, verhindert dann paradoxerweise, die Sehnsüchte zu stillen. Denn die Tretmühle der Arbeit lässt keine Zeit und Energie mehr für Familie und Freundschaften. Das ist auch der Grund dafür, warum die Lebenszufriedenzeit in den reichsten Ländern der Erde nicht am höchsten ist.

Wichtig wäre zu verstehen, dass die wirklichen menschlichen Sehnsüchte durch Materielles nicht zu befriedigen sind. Und die Menschen durch Konsumverzicht mehr Glück gewinnen, als sie verlieren. Wenn das nicht gelingt, wird die Forderung nach Nachhaltigkeit als eine Diktatur des repressiven Spießertums erlebt.

Zukunftsforscher Matthias Horx meint: "Wenn wir eine bigotte, eine fromme Form von Ökologie predigen, werden wir letztendlich auch keine Mehrheiten dafür finden, die Gesellschaft, im ökologischen Sinne umzubauen." Statt des nebulösen Begriffs Nachhaltigkeit schlägt Matthias Horx außerdem vor, präzisere Begriffe wie Sparsamkeit und Effizienz zu verwenden.