Rowling-Roman ohne Potter

Der neue Roman von Joanne K. Rowling "Ein plötzlicher Todesfall" hat nach dem ersten Tag im Buchhandel einen eher verhaltenen Start hingelegt und sehr gemischte Reaktionen hervorgerufen. Kein Vergleich mit Harry Potter, so das Urteil der Kritiker als auch Händler in Großbritannien.

Morgenjournal, 28.9.2012

Lesung in London

Das PR Team um Rowling hatte seit Monaten die Spannung geschürt und mit einer geschickten, streng orchestrierten PR-Kampagne die internationalen Medien dazu gebracht, den Roman heftig zu bewerben, obwohl niemand den Inhalt kannte. Die Harry-Potter-Bestseller-Autorin präsentierte am Abend in London offiziell ihr neuestes Werk bei einer ausverkauften Leseveranstaltung.

Ums Geld geht es bei JK Rowling schon lange nicht mehr, die einstmals arme, alleinerziehende Mutter ist 15 Jahre nach Harry Potter Multi-Millionärin, ihr Vermögen wird auf mehr als eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Mehr als die Queen ihr Eigen nennt. Sie sagt, sie hatte aber ein großes Bedürfnis ihre eigenen Lebenserfahrungen in "ein plötzlicher Todesfall zu verarbeiten": "Es ist sehr persönlich, weil es sich um Themen dreht, die mein Leben beschäftigt haben, ich hatte psychische Probleme war depressiv und hatte als Teenager Angstzustände."

Unterschiedliche Kritiken

Rowling erzählt von den Konflikten, die nach dem Tod eines sozial engagierten Gemeinderats in einem kleinen englischen Dorf aufbrechen. Sie schildert die Entsolidarisierung in einer Mittelklassegesellschaft.

Kritiker der New York Times sprechen von einem niveaulosen Werk. Die derbe Sprache der Protagonisten, Schilderungen über Sex und Drogensucht ist man von JK Rowling nicht gewöhnt. Der eher linksliberale Guardian lobt die Botschaft des Buches für andere Verantwortung zu übernehmen, kommt aber trotzdem zu dem Schluss, das Buch hinterlasse ein leichtes Gefühl der Enttäuschung.

Philip Jones Herausgeber des Branchenmagazins The Bookseller sagt, diese Kritiken seien nicht gerechtfertigt, Rowling habe fast eine Art politisches Manifesto geschrieben, die Veröffentlichung sei mutig und richtig.

"Die Meinung der Kritiker unterscheidet sich je nach politischer Weltanschauung, es geht nicht um sie als Autorin sondern um den Inhalt des Buches. Sie erzählt eine gute Geschichte mit gut gezeichneten Protagonisten. Sie enttäuscht ihre Leser nicht", sagt Jones.

Strikte Geheimhaltung vor dem Verkauf

Dem Verkaufsstart ist eine für Rowling typisch, sorgfältig orchestrierte PR Kampagne vorangegangen. Die 47jährige Britin gab nur einer Handvoll verlesener Journalisten Interviews, die in ihrem Büro in Edinburgh unter strenger Bewachung das Buch vorab lesen durften.

Händlern drohten hohe Strafen, sollten sie den Roman auch nur eine Minute zu früh aus den Schachteln nehmen, sagt Jasper Sutcliffe von der Buchhandlung Foyles: "Wir haben die Lieferung streng geheim erhalten, mussten die Bücher bis zum Verkaufsstart in einem versperrten Raum aufbewahren, ich musste sehr viele Dokumente und Erklärungen unterschreiben."

Ansturm bleibt noch aus

Der große Ansturm im Buchhandel ist heute ausgeblieben, das habe er auch nicht erwartet, sagt Sutcliffe er ist überzeugt, dass sich der Roman gut verkauft: "Der Roman wird nicht an die Verkaufszahlen der Harry Potter Bände herankommen, aber wir hoffen, dass wir ein paar tausend bis Weihnachten verkaufen werden, JK Rowling bringt die Menschen in die Buchläden.“

JK Rowling größter Erfolg ist es, wenn die Leser sie als Erwachsenen Autorin akzeptierten, dieses Mal will sie nicht verzaubern sondern die Gesellschaft aufrütteln.