Little Richard ist 80

Einer der ganz Großen der Popgeschichte feiert heute seinen 80. Geburtstag: Little Richard, Autor von Hits wie "Tutti Frutti" oder "Long Tall Sally", die sich mehr als eine Million Mal verkauften. Gemeinsam mit Chuck Berry und Elvis Presley prägte Richard in den 1950er Jahren den Rock and Roll.

1987 wurde Little Richard in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Heute zählt er zu den einflussreichsten Wegbereitern der populären Musik.

Morgenjournal, 5.12.2012

David Baldinger

"Elvis mag der King des Rock'n'Roll sein, aber ich bin die Queen." Bescheidenheit gehört nicht zu den Tugenden von Little Richard. Vor allem dann nicht, wenn es um seine Rolle in den Geschichtsbüchern geht: "Ich bin der Architekt des Rock'n'Roll, sein Begründer und Befreier", meinte er bei der Verleihung des Merit Awards 1997.

Entstauber der 1950er

Mit einem markerschütternden Urschrei entstaubte Little Richard die 1950er, als gäbe es nur noch das Morgen. Ein schriller Bühnen-Derwisch voller Energie. Sein erstes Plattencover war so einfach gehalten, wie die Botschaft des Künstlers schlicht war: Here's Little Richard. Gelber Hintergrund, davor der Künstler, der sich die Seele aus dem Leib brüllt.

Elvis nannte ihn "den Größten", für James Brown war er "ein Idol" und Jimi Hendrix wollte nichts anderes, als mit seiner Gitarre das zu tun, was Richard mit seiner Stimme anstellte. Viel Bewunderung für einen kleinen Mann, dessen Leben alles andere als erfolgsversprechend begonnen hat.

Direkt aus dem Bauch

Richard Wayne Penniman wurde 1932 in Georgia geboren, mitten in den unter Rassendiskriminierung leidenden Südstaaten. Als drittes von dreizehn Kindern. Sein Vater schmuggelte Alkohol, bevor er ermordet wurde. Mit 14 sang Richard im Gospelchor. Mit 15 hatte er den Blues und tanzte in einem Wanderzirkus, 1951 nahm er seine erste Platte auf.

Zum großen Durchbruch kam es am 14. September 1955. In einer Aufnahmepause stimmt Little Richard einen anzügliches Song an: "Tutti Frutti". Drei Takes und 15 Minuten später war der Song fertig. Und Little Richard läutete eine neue Ära ein. Mit einer Kunstsprache, die direkt aus dem Bauch zu kommen schien.

Ein Kritiker nannte "Tutti Frutti" die "Champagnertaufe" der Popmusik. Wo vorher Jugendgetränke konsumiert wurden, servierte Little Richard eine aufregend spritzige, für viele auch gefährliche Mischung. Amerikas Jugend werde korrumpiert, warnten die Sittenwächter. Little Richard trat als Verführer auf, mit gierigen Augen, laszivem Lidaufschlag und breitem Filmstar-Grinsen.

Comeback als Prediger

1957 - am Höhepunkt seines Erfolges - entdeckte er im Start der russischen Sputnik-Rakete ein Zeichen Gottes. Er schwor allen irdischen Genüssen ab, heiratete und parkte seine Cadillacs in der Garage seiner Mutter. Fortan arbeitete er als Prediger in der Gemeinde der Adventisten. Persönliche Probleme veranlassten ihn jedoch zu einem Comeback. Nicht zum letzten Mal. Immer wieder kehrte Richard auf die Bühne zurück und verhalf dabei anderen zum Durchbruch.

Jimi Hendrix, Billy Preston und James Brown spielten in seiner Band, die Beatles und die Rolling Stones traten vor ihrem großen Durchbruch in seinem Vorprogramm auf. Heute geht es Little Richard ruhiger an. Seine Konzerte werden seltener. Er sitzt auf einem goldenen Thron und quietscht, als wäre er 40 Jahre jünger, um kurz darauf mit gleicher Überzeugung seinem missionarischen Eifer nachzugeben. "Nähert Euch Gott an" sagt er und verteilt Bibelsprüche. Little Richard: Die predigende Rock-and-Roll-Ikone wird heute 80 Jahre alt.

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