Hinter den Kulissen von Haneke, Waltz & Co

Am Sonntag werden in Los Angeles die Academy Awards verliehen. Die große Sensation hat es schon vorweg gegeben, denn Michael Haneke wurde mit seinem Altersdrama "Liebe" nicht nur für den Auslandsoscar, sondern auch in gleich vier Hauptkategorien nominiert. Haneke hat damit Filmgeschichte geschrieben, denn vor ihm ist das noch keinem deutschsprachigen Regisseur mit einem europäischen Arthousefilm gelungen.

Morgenjournal, 22.2.2013

Im Jahr 2000 hat Michael Haneke mit "Code: unbekannt" seinen ersten Film in Frankreich gedreht und Frankreich ist bis heute der wichtigste Koproduktionspartner geblieben. Das Land stellte zuletzt nicht nur den Großteil des Budgets, sondern auch die international bekannten Stars, die es für die Vermarktung braucht.

Trotz Auszeichnungen keine kommerziellen Erfolge

Trotz der zahlreichen Auszeichnungen schaffen es Michael Hanekes Filme jedoch nicht, ihr Budget an den Kinokassen auch wieder einzuspielen. Ohne staatliche Filmförderungen hätte also der Oscarfavorit "Liebe" gar nicht gedreht werden können. Und genauso wenig wäre es realistisch gewesen, den Film allein mit den in Österreich derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln zu produzieren.

An den österreichischen Kinokassen haben die Haneke-Filme gegenüber heimischen Filmkomödien das Nachsehen. Ein "Echter Wiener" oder die Düringer-Komödie "Hinterholz 8" lockten bis zu 600.000 Zuschauer in die Kinos, eine Zahl von der Haneke nur träumen kann. Dafür lassen sich diese heimischen Renner kaum exportieren, während Hanekes Filme auch international ihr Publikum finden.

Paradigmenwechsel in den USA

Auch in den USA sind alle Filme Hanekes im Kino gelaufen, die Verleiher waren jedoch klein und die Besucherzahlen dementsprechend gering. Das könnte sich jetzt ändern, denn in Übersee scheint der europäische Arthouse-Film plötzlich auf Augenhöhe mit den amerikanischen Blockbustern wahrgenommen zu werden.

Die Oscar-Nominierungen sind ein Indiz, aber auch dass mit Sony Classic ein Megaplayer den Verleih von Hanekes "Liebe" übernommen hat, spricht eine deutliche Sprache.

Waltz für Nebendarstelleroscar nominiert

Der zweite Hoffnungsträger aus österreichischer Sicht bei der Oscarverleihung am Sonntag ist Schauspieler Christoph Waltz. Trotz einer eigentlich tragenden Rolle im Tarantino-Western "Django Unchained", ist er nur für den Nebendarstelleroscar nominiert, da gilt er jedoch als klarer Favorit.

Waltz zum bekanntesten Nebendarsteller zu machen, statt ihn der übergroßen Konkurrenz bei den Hauptdarstellern auszusetzen, war eine geniale Marketingidee und hat seinen Marktwert in kürzester Zeit in die Höhe schnellen lassen.

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