Hot Dogs für die Königin

Hyde Park am Hudson

Hyde Park am Hudson, so heißt eine US-amerikanische Kleinstadt rund 150 Kilometer nördlich von New York City, der Geburtsort von Präsident Franklin D. Roosevelt. Dieser blieb seiner Heimatstadt während seiner gesamten Karriere eng verbunden, ein Umstand, an den sich auch der Film "Hyde Park am Hudson" anlehnt, denn dort spielt eine Episode, in der man einen etwas anderen Präsidenten abseits der Staatsgeschäfte kennenlernt.

Morgenjournal, 28.2.2013

  • Gartengesellschaft

    (c) Tobis Film

  • Roosevelt mit 2 Frauen

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  • Roosevelt

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Große Staatsmänner sind beliebte Kinofiguren, zuletzt etwa Abraham Lincoln, doch noch größer werden sie für das Kino, wenn man hinter den Fassaden der Funktion den Menschen zum Vorschein bringt. So verfährt auch der Film "Hyde Park am Hudson", der die privaten Leidenschaften des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt (Bill Murray) im Visier hat, darunter auch Daisy (Laura Linney), eine Cousine 5. Grades. Freilich: Offiziell ist die Rede von "sehr guten Freunden", nur eine von vielen zwischenmenschlichen Verbiegungen, die der Film genüsslich vorführt und dabei vor allem eine Richtung verfolgt: dem wahren Denken und Fühlen der Figuren näher zu kommen.

Gehätschelten Minderwertigkeitskomplexe

Daisy wird zur zentralen Beobachterin von der Seitenlinie. Denn ein Staatsbesuch des englischen Königspaars im Jahr 1939 ist das eigentliche Manövergebiet des Films, in dem das Spiel von Schein und Sein lustvoll zur Höchstform aufläuft. Zwischen diplomatischen Diskrepanzen, peinlichem Smalltalk, gehätschelten Minderwertigkeitskomplexen und legerem Protokoll, arbeiten sich der durch Kinderlähmung im Rollstuhl sitzende Präsident und der stotternde König George VI. an Kultur- und Klassenunterschieden ab und schließlich zu ihren wahren Vorlieben hinunter. Und sind Hot-Dogs für die Königin beim Picknick eine Beleidigung?

Erniedrigung und Selbsterniedrigung

Staatshäupter sind an Rollen gebunden, die sie über Normalsterbliche erheben, dieser Erkenntnis setzt der Film "Hyde Park am Hudson" einen Präsidenten entgegen, der sich ein nicht zu knappes Privatleben gönnt. Regisseur Roger Michell beherrscht souverän den schmalen Grat zwischen larmoyantem Kommentar und unausweichlicher Tragik, denn die Unfreiheit des Amtes führt zu schmerzhafter Erniedrigung und Selbsterniedrigung. Auch für Daisy gab's keine Ausnahme.