Linz: Philip-Glass-Oper "Spuren der Verirrten"

Sie gilt als Höhepunkt im Eröffnungsreigen des neuen Musiktheaters in Linz: die Oper "Spuren der Verirrten" des US-amerikanischen Komponisten Philip Glass nach dem gleichnamigen Stück von Peter Handke, das 2007 im Wiener Burgtheater seine österreichische Erstaufführung erlebte.

Inszeniert vom Bregenzer Festspiel-Intendanten David Pountney wird die zeitgenössische Oper am Freitag, 12. April im neuen Linzer Musiktheater am Volksgarten uraufgeführt.

Mittagsjournal, 10.4.2013

Die große Leere

Flüchtige Wortfetzen, bruchstückhaft erzählte Schicksalsschläge und stockende Antworten auf unbekannte Fragen spiegeln die Richtungslosigkeit unserer gegenwärtigen Welt. Die namenlosen Figuren in Philip Glass' Oper "Spuren der Verirrten" nach dem Stück von Peter Handke verkörpern vor allem eines: die große Leere einer kapitalistischen Gesellschaft, die - bedroht von Krieg und Krisen - auf der Suche nach dem individuellen Glück nicht fündig wird.

"Ich nenne sie die Verlorenen", sagt der US-amerikanische Komponist Philip Glass. "Als wir Handkes Stück zum ersten Mal studierten, sagte unser Regisseur David Pountney: 'Das ist unmöglich in eine Oper zu verwandeln, los, machen wir es!' 'Spuren der Verirrten' ist ein sehr suggestives, abstraktes Stück und doch: Die Figuren sprechen über alltägliche Dinge, allerdings in einer Art und Weise, wie normale Menschen nie sprechen würden. Das Stück erlaubt uns auch, Oper, Tanz und Schauspiel zusammen zu bringen."

Erkrankungen einer Gesellschaft

Die Skulptur eines riesigen Gehirns, eine mannshohe, schlichte schwarze Kugel und Krankenbetten, die an eine psychiatrische Anstalt erinnern, bestimmen das Bühnenbild der Oper "Spuren der Verirrten" und verweisen auf seelische Erkrankungen einer Gesellschaft, in der Ideologien, Mythen und biblische Erzählungen längst ihre Leitfunktionen verloren haben. Der abstrakte Text Handkes ohne greifbare Handlung ließ Regisseur David Pountney zahlreiche Freiheiten.

"Handkes Stück verhandelt die zentralen Probleme unseres Lebens, aber täuscht nicht vor, Avantgarde zu sein", meint Glass. "Es ist, was es ist. Das soll sich auch in meiner Musik widerspiegeln. Es ist zeitgenössische Musik, doch die Leute könnten mitsingen."

In "Spuren der Verirrten" verdichten sich Handkes Sprache und die Musik von Philip Glass zu einem verstörenden Endzeit-Tableau, einer geisterhaften Prozession von Vertriebenen und Verlorenen, deren vergebliche Sinnsuche in ihrer provokanten Banalität für Beklemmung sorgt.

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