Team Stronach: Weiterer Austritt

Im "Team Stronach" Niederösterreich gärt es. Der Bezirksobmann von Mistelbach, Walter Wittmann, hat genug von der Partei. Die Werte "Fairness und Transparenz" würden nicht gelebt, kritisiert er im ORF-Interview. Er hat seinen Austritt bereits schriftlich mitgeteilt, ein weiteres Dutzend Bezirksobleute könnte ihm folgen. Droht dem Team Stronach ein Aderlass?

Mittagsjournal, 17.4.2013

Postenschacher

"Fairness und Transparenz" seien leere Worte in der Partei, geht Wittmann hart ins Gericht mit dem Team Stronach: "Ich habe selber einen mittelständischen Betrieb. Und ich habe noch nie in meinem Leben einen Kunden oder Lieferanten so mies behandelt. Man lässt uns einfach draußen stehen, man sagt uns nicht, sollen wir noch warten oder nach Hause fahren. Es wird intern dann kommuniziert. Es wird Postenschacher betrieben, wie ich es mit in einem Team Stronach nicht hätte vorstellen können. Mit dem kann ich nicht umgehen. Wir haben gesagt, wir sind transparent und fair. Deswegen bin ich zu dieser Partei gegangen. Wenn diese Partei diese Aussagen nicht vorlebt, dann brauche ich auch nicht beim Team Stronach dabei sein."

Organisation "grottenschlecht"

Die Bezirksorganisationen in Niederösterreich seien sich selbst überlassen - auch finanziell, kritisiert Wittmann. "Man geht her, füllt sich die Taschen, und die ganzen Bezirksorganisationen bekommen kein Geld, weder für den Nationalratswahlkampf und auch schon vorher nicht für den Landtagswahlkampf. Und der zweite Punkt den ich kritisiere: Die Organisation ist einfach grottenschlecht." Es gebe keine Wahlkampfleitung, keine Wahlkampforganisation, "und das bereits zu diesem Zeitpunkt. Das verstehe ich einfach nicht."

"Da kann ich nicht zuschauen"

Das Fass zum Überlaufen brachte aber die Regelung für das Bundesratsmandat. Vereinbart war ein interner Wettbewerb um Vorzugsstimmen. Wer die meisten Stimmen bekommt, zieht in den Bundesrat ein, so die Abmachung. "Dem Gewinner Thomas Heigl versucht man seit zwei Wochen auszureden, dass es ja eigentlich gar nicht schaffen kann, weil er noch zu jung sei. Da kann ich nicht zuschauen, tut mir leid", sagt Wittmann.

Stattdessen tauchte in der Tageszeitung "Kurier" eine Vereinbarung auf, wonach Ludwig Buchinger per Vertrag das Mandat bekommen soll. Diese Vereinbarung sei nie unterzeichnet worden, sagt Kathrin Nachbaur. Mehr sei dazu nicht zu sagen, sagt sie auf Ö1-Anfrage. Inzwischen gärt es weiter im Team Stronach Niederösterreich: "Ich kann Ihnen sagen, dass 60 bis 70 Prozent gehen möchten", so Wittmann. Das wäre ein Aderlass von bis zu fünfzehn der 21 Bezirksleiter in Niederösterreich.

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