Violoncello und Cembalo

Es müssen nicht immer die Solosuiten sein, und auch nicht die Gambe, auch wenn sie für diese drei Sonaten das eigentlich dedizierte Instrument von Johann Sebastian Bach war: Cello und Cembalo machen ebenso glücklich.

Vor allem dann, wenn die drei Gambensonaten von einem der herausragendsten Cellisten der Gegenwart, von Nicolas Altstaedt - Gidon Kremers Nachfolger als Festivalleiter von Lockenhaus seit 2012 - und dem britschen Dirigenten, Cellisten (!) und Cembalisten Jonathan Cohen musiziert werden. Beide sind - und das ist in jeder der 43 Minuten spürbar - passionierte Kammermusiker, holen die extrovertierten Seiten wie die innigen, bewegenden einmal federnd leicht, dann Dowland-schwer heraus.

Zahlreiche Umarbeitungen der Sonaten für Viola da Gamba und obligates Cembalo aus der Feder des Komponisten lassen erahnen, wie lange das Erreichen der Optimalfassung Bach in Anspruch genommen hat. Die Gambe, das Instrument, welches mit seinen zahllosen Farbnuancen und seinem Meer an Artikulationsmöglichkeiten der menschlichen Stimme am nächsten kommt, betrachtete der Meister des "Cantablen Spiels" als besondere Herausforderung. Und für Nicolas Altstaedt bestand die Herausforderung, diese gesanglichen Qualitäten auf das Cello zu übertragen. Altstaedt musste auf seinem Lupot-Violoncello aus dem frühen 19. Jahrhundert zu einem Trick greifen, denn die gewünschten Darmsaiten aufzuziehen, war nicht praktikabel. Er stimmte deshalb die konventionellen Stahlsaiten um einen halben Ton herunter, auf jene 415 Hz, die auch Johann Sebastian Bach in seiner Zeit in Köthen angewandt hatte. Das Resultat auf dieser Aufnahme ist ein warmer und weicher Celloklang, der damit jene Melancholie erinnerbar macht, die wir mit gerne mit der Viola da Gamba verbinden.

Bach, Nicolas Altstaedt, Jonathan Cohen, Genuin

Renate Burtscher, 9.10.2013