Ex-Premier Mario Monti zieht sich zurück

Mario Monti - der ehemalige Expertenpremier, der erst als Lichtgestalt gefeiert wurde, sich schnell entzaubert hat und dann eine Wahl verloren hat - tritt ab. Und zwar als Chef der Partei, die er selbst gegründet hat. Denn seine Abgeordneten wollen nicht, wie er will. Montis Partei ist gespalten, und dem ehemaligen Technokratenpremier missfällt, dass sich einige in Richtung Berlusconi bewegen. Jetzt hat es Monti gereicht.

Mittagsjournal, 18.10.2013

Retter Italiens

Eigentlich ist Mario Monti ein Wirtschaftswissenschaftler, Professor an der angesehenen Mailänder Bocconi-Universität und in der Politik eher eine Ausnahmeerscheinung.

Und doch zählt er zu Italiens erfahrensten Politikern, hat sich als strenger EU-Wettbewerbskommissar europaweites Ansehen erworben und als Italien im November 2011 vor dem finanziellen Absturz stand, hat ihn Staatspräsident Napolitano als Retter nach Rom geholt. Der amtierende Regierungschef Silvio Berlusconi wurde unsanft zum Rücktritt gezwungen. Monti bezeichnete ihn als populistischen Rattenfänger: Dass die Italiener noch immer auf seine Versprechungen reinfallen, erinnert mich nur an eines: an den Rattenfänger von Hameln. Die Mäuslein erliegen seiner Faszination, um dann im Fluss zu ertrinken.

Rasch wurde der Wirtschaftsprofessor zum Senator auf Lebenszeit und gleich am folgenden Tag zum Ministerpräsidenten ernannt. Gewissermaßen als einer, der von außen kam, über dem römischen Dauerstreit zwischen den Parteien stand und ohne Rücksicht auf seine Wiederwahl ein Sanierungsprogramm durchziehen konnte. Das hat er auch getan. Mit einem radikalen Sparprogramm und drastischen Steuererhöhungen hat er innerhalb weniger Monate das Vertrauen der Finanzmärkte in die italienische Wirtschaft wiederhergestellt.

Doch die Bevölkerung stöhnte unter der Last des Sparprogramms und der populistische Berlusconi nützte die wachsende Unzufriedenheit, um Montis Regierung nach 14 Monaten wieder zu stürzen.

In dieser Situation machte Monti einen Schritt, der sich jetzt als Anfang von seinem politischen Ende erweist: er gründete eine eigene Partei, "scgelta cicica", "bürgerliche Wahl" - die sich in der Mitte, zwischen Berlusconi und der Linken positionieren wollte. Bei den Wahlen erreichte die Partei dann weit weniger als erhofft, nicht einmal zehn Prozent.

Zusammen mit anderen Zentrumspolitikern, wie dem Ferrari-Chef Montezemolo und ehemaligen Christdemokraten wollte er Italien aus der dem Dauerstreit der Parteien befreien - und wurde selbst von diesem Streit zerrieben.

Wieder einmal ging es um die Beziehung zu Berlusconi - Monti will sich auf keine Zusammenarbeit mit ihm einlassen, seine Parteifreunde aber liebäugeln damit und zuletzt wurde eine Annäherung immer konkreter.

Bis es jetzt zum Bruch kam und Monti seinen Rückzug verkündete. Er wird als Senator auf Lebenszeit weiterhin eine politische Stimme haben, sein ambitioniertes Projekt, dem Land eine politische Mitte zu geben, ist aber gescheitert.