Josef Winklers erstes Theaterstück

Josef Winkler ist als Prosautor bekannt geworden. Mit Werken wie "Menschenkind", "Der Ackermann aus Kärnten" oder "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot". Für das Theater hat Winkler bisher nicht geschrieben. Unter dem Titel "Wetterleuchten auf der Zungenspitze" ist nun ein Theatertext entstanden, der gestern Abend in der Garage X in Wien uraufgeführt worden ist.

Morgenjournal, 31.10.2013

Zwischen Verstörung und Lächerlichkeit liegt oft ein schmaler Grat. Und auf diesem balanciert das Stück in der Garage x gute 70 Minuten lang. Auf der chaotischen Bühne, die an ein Maleratelier denken lässt, rekeln sich sieben Darsteller, in schmutzigen Spitalsnachthemden, und schillernden Abendkleidern, in roten Stilettos oder grünen Gummistiefel - und Nadine Zeintl als blutige mit Plastikfolie bandagierte Sexpuppe sorgt für ein gehöriges Maß an Beklemmung.

Willkommen im Josef Winkler Universum - Sexualität, Tod, Katholizismus, Sprachlosigkeit …die Collage vereint alles, was sich an Bildern und Themen bei Winkler so einfangen lässt. Denn ein Theaterstück hat Josef Winkler definitiv nicht geschrieben.

Dass Winklers Texte trotzdem immer wieder den Weg auf die Bühnen des Landes finden, ist dem bildenden Künstler und Regisseur Gerhard Fresacher zu verdanken. Er bearbeitet die Textkonvolute, die ihm Josef Winkler zur Verfügung stellt, gibt ihnen Struktur und verhilft ihnen zu dramatischem Leben.

Das Thema des Abends: Surrealismus

Weil sich weder Regisseur noch Autor einer Handlung verpflichtet fühlen, lässt sich das große Überthema des Abends mit Surrealismus zusammenfassen. Josef Winkler ist seit Jugend von dieser in Paris der 1920er Jahre entstandenen Strömung fasziniert. Ziel der Surrealisten in der bildenden Kunst und in der Literatur, war es, das Traumhafte und Unbewusste auszuloten und den menschlichen Erfahrungsbereich durch das Fantastische und Absurde zu erweitern.

In einer Art Experiment will Fresacher die Zuschauer und Darsteller unmittelbar mit dem Surrealismus zu konfrontieren. Wer bereit ist, sich auf das Experiment einzulassen, übliche Sehgewohnheiten über Bord zu werfen und sich einzulassen auf einen absurd-grotesken Abend, der die Grenzen der Sprache und auch der Bilder aufzeigt, wird belohnt. Das Premierenpublikum zeigte sich würdig und verständig und dankte mit jubelndem Applaus.

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