Anspruchsvoller Tango muss nicht immer Piazzolla heißen

Sie kennen sicher dieses Spiel: wenn Du ein Tier sein könntest, für welches würdest du dich entscheiden? Wenn Ernst Kovacic, Steven Dann und Anssi Karttunen ihre Identität als Streichtrio definieren, fällt ihre Wahl- augenzwinkernd- auf das Zebra.

"Trotz der Tatsache, dass kein Zebra dem anderen gleicht, da jedes ihrer Streifenmuster einmalig ist, vermittelt eine Ansammlung von Zebras den Eindruck eines einzigen Organismus. Diese Verschmelzung ihrer Eigenheiten ermöglicht es ihnen, einen starken kollektiven Eindruck auf Löwen, Leoparden, Hyänen - und das Publikum zu machen". Wie z.B. mit ihrer neuen CD El Motivo. Klassische Tangos im Arrangement für Streichtrio.

Sicher, wir finden echte Klassiker wie el Choclo, el Marne etc, aber gerade wenn wir uns im gewohnten argentinischenTangoambiente wähnen, schlägt das Zebratrio, rhythmisch, harmonisch, auch improvisierend ungeahnte Volten. Anssi Karttunen, tangoaffin, wie nur ein Finne das in Europa sein kann, hat überraschende Arrangements geschrieben, andere Stücke wurden von Pablo Ortiz komponiert oder arrangiert. Das Zebra Trio, mitunter ergänzt von zwei anderen Cellisten, liebäugelt hier nicht kokett mit einem fremden Genre, es macht keinen Ausflug in die Gefilde der Unterhaltungsmusik, was wir hören ist zeitgenössische, sehr intelligent und gekonnt präsentierte Tango-Kammermusik, die jedem Konzertsaal überraschende Farb-und Lichteffekte bescheren könnten.

El Motivo. Zebra Trio. Albany Records Troy