"Schwanensee" in der Wiener Staatsoper

89 Vorhänge am 15. Oktober 1964 - Nurejews Wiener Fassung des "Schwanensee" startete mit einem Eintrag ins Guinness-"Buch der Rekorde". Mit bislang über 200 Vorstellungen des Wiener Staats(opern)balletts und einer Filmproduktion (aus dem Jahr 1966 und nach wie vor auf DVD erhältlich) bleibt das Werk gleich in mehrfacher Hinsicht rekordverdächtig.

  • Beim Aufwärmen

    Nur für Ö1 Club-Mitglieder: Exklusiver Trainingsbesuch kurz vor Vorstellungsbeginn

    (c) Mann, ORF

  • Rundgang in der Staatsoper

    Besichtigung der Bühne, bevor "Schwanensee" beginnt: Letzte Aufwärmphase für die Tänzer/innen

    (c) Mann, ORF

  • Aufführung

    Großer Applaus für einen einzigartigen Abend

    (c) Mann, ORF

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Dies darf wohl auch von Rudolf Nurejews Biografie als solcher behauptet werden, wobei an dieser Stelle nur die wichtigsten Stationen mit Bezug zu Wien herausgegriffen seien: 1938 in einem Waggon der Transsibirischen Eisenbahn geboren, führten ihn die 7. Kommunistischen Weltjugendfestspiele im Jahr 1959 erstmals nach Wien - es war zugleich die erste Stadt außerhalb des Ostblocks, in der er auftrat. Auf Einladung des Ballettdirektors Aurel von Milloss (1906-1988) erstellte er seine Fassung des "Schwanensee" (Musik Peter Iljitsch Tschaikowski) für die Wiener Staatsoper (Premiere am 15. Oktober 1964), die vor allem die Rolle der männlichen Solisten betonte und den Prinzen ins Zentrum der Handlung rückte.

"Die klassischen Ballette galten als Stücke für Ballerinen - unter Mitwirkung eines Prinzen in untergeordneter Rolle", erinnerte sich Dame Margot Fonteyn, die Wien auch als Odette/Odile bezauberte, "Das passte Rudolf nicht. Er war der Meinung, der Prinz sei genauso wichtig wie die Ballerina. Und dafür hat er dann auch gesorgt."

Nurejw und seine Liebe zu Wien

"Tancredi" (Musik von Hans Werner Henze, Uraufführung am 18.5.1966), "Don Quixote" (Musik: Ludwig Minkus, Premiere am 1.12.1966 und Neuinszenierung mit Premiere am 19.11.1977), "Dornröschen" (Musik: Peter Iljitsch Tschaikowski, Premiere am 15. Oktober 1980), "Raymonda" (Musik: Alexander Glasunow, Premiere am 26.1.1985), Pas de deux aus "Le Corsaire" (Musik: Riccardo Drigo, 30.10.1977), "Blumenfest in Genzano" (Musik: Edvard Helsted und Holger Simon Pauli, Erstaufführung am 7.1. 1979), "Bach Suite" (Musik: Johann Sebastian Bach, Erstaufführung am 17.3.1986) und der Grand Pas aus "Paquita" (Musik: Ludwig Minkus, Premiere in Salzburg am 20.6.1971) gaben ihm in weiterer Folge intensive Gelegenheit seine Verbundenheit mit Wien und den Tänzerinnen und Tänzern des Wiener Staatsopernballetts zu vertiefen.

Insgesamt absolvierte Rudolf Nurejew (in den genannten und weiteren Werken) 167 Auftritte mit dem Wiener Staatsopernballett und auch einer seiner letzten stand in enger Beziehung zu Wien: Sein Mitwirken beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker vom 1. Jänner 1992 (in einer Choreographie von Gerlinde Dill).

Die Liebe zu Wien wurde von der Stadt und vor allem ihrem Publikum erwidert: 1988 zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt, erhielt Nurejew bereits 1982 die österreichische Staatsbürgerschaft - für ihn, der nach seinem Absprung aus der Sowjetunion durch einen Asylantrag am 17. Juni 1961 auf dem Pariser Flughafen Le Bourget de facto zu einem Staatenlosen geworden war, ein besonders bedeutendes Ereignis.

2 Tänzer

"Nurejew-Gala 2013"

(c) APA/HELMUT FOHRINGER

Auf der Suche nach dem Ideal

So wird der "Schwanensee", von dem er 1984 auch für das Ballett der Pariser Oper ein Version kreierte, zugleich zu einem Symbol für das gesamte Leben Rudolf Nurejews: von Anbeginn eine rastlose Reise auf der Suche nach dem unerreichbaren Ideal, das die Möglichkeit des sicheren Ruhens und der Geborgenheit in sich trägt, sei es in der Zuwendung eines besonders geliebten Wesens und Lebenspartners oder aber in der Verbundenheit mit der Familie in der Heimat. (Nurejew konnte seine Mutter erst durch eine Erlaubnis von Michail Gorbatschow 1987 wiedersehen.)

Dem Wiener Staatsopernballett schenkte Nurejew nicht nur seine persönliche Präsenz als Choreograph und Tänzer, vielmehr wurde er - nicht zuletzt dank des überwältigenden Erfolgs des "Schwanensee" - zu einer Art Motor für die weitere Entwicklung des Wiener Balletts, das sich in der Folge verstärkt am Vorbild Nurejews und seinem Qualitätsmaßstab zu orientieren suchte. Dieser Qualitätsmaßstab ist auch bindend für Manuel Legris, der seinen Mentor mit einer jährlichen Gala zum Saisonschluss ehrt und bei seiner Repertoireauswahl für das Wiener Staatsballett einen besonderen Schwerpunkt auf Wiens starke Nurejew-Tradition setzt.

Mit dem "Schwanensee" (Premiere war am Sonntag, 16. März 2014) komplettiert sich zusammen mit dem "Nussknacker" und "Dornröschen" die Tschaikowski-Trilogie, sodass in dieser Spielzeit alle drei Klassiker an der Wiener Staatsoper zu sehen sind. Für die neue Ausstattung des "Schwanensee", die durch die phantastische Welt des Bayernkönigs Ludwig II. inspiriert ist, zeichnet Luisa Spinatelli verantwortlich.

Service

Ö1 Club-Mitglieder bekommen bei Aufführungen des Wiener Staatsballetts ermäßigten Eintritt (zehn Prozent).

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