Die neue Burgchefin Karin Bergmann

Karin Bergmann ist interimistische Direktorin des Wiener Burgtheaters. Ein Bericht über ihr geplantes Krisenmanagement, sowie Reaktionen aus dem Burg-Ensemble.

Karin Bergmann

(c) Schlager, APA

Kulturjournal, 19.03.2014

Applaus für Karin Bergmann bei der heutigen Pressekonferenz, und auch das Ensemble und die übrigen Mitarbeiter des Burgtheaters sollen zuvor schon gejubelt haben, als man ihnen Bergmann als interimistische künstlerische Leiterin des Hauses vorstellte. Kulturminister Josef Ostermayer sieht die positiven Reaktionen als Bestätigung für seine Personalentscheidung. "Ich hab noch nie so viele Zuschriften gekriegt - Mails, Briefe, SMS -, wo Empfehlungen abgegeben wurden", und eine Person sei am meisten genannt worden: Karin Bergmann.

Zu drastischen Metaphern griff Christian Strasser, der neue Chef des Burgtheater-Aufsichtsrats, als er auf die aktuelle Situation des Hauses zu sprechen kam: Das Burgtheater brenne nach wie vor "hell lodernd", denn einerseits sei die Finanzkrise zu bewältigen, andererseits die Vertrauenskrise.

"Herzstück" Dramaturgie

Von Karin Bergmann hofft man nun, dass sie an der Seite des kaufmännischen Geschäftsführers Thomas Königstorfer die Wogen im Haus glätten kann. Der Wiener Dramaturg Hermann Beil, der als zweiter Favorit für den Posten galt, habe sich bereit erklärt, Bergmann ehrenamtlich als Berater zur Seite zu stehen, hieß es heute in der Pressekonferenz. Mit ihm als Chefdramaturgen habe sie eng zusammengearbeitet, er habe sie gewissermaßen für das Theater geprägt, so Bergmann. Wer sie kenne, der wisse, dass für sie die Dramaturgie neben den Schauspielern das Herzstück des Theaters sei, denn "zuallererst muss es darum gehen, wie kommt man zurück zu den künstlerischen Themen".

Für die kommende Saison seien freilich schon eine Reihe an Produktionen fixiert, aber sie wolle auch gestalten, betont Bergmann. Ihr Wunsch sei es etwa, Regisseurinnen und Regisseure ans Haus zu holen, die schon lange nicht mehr hier waren, zum Beispiel Andreas Kriegenburg, Karin Henkel, Leander Haußmann oder Thomas Ostermeier, aber sie möchte auch neue Regisseure gewinnen: "Ich rechne auch damit, bei den Künstlern - obwohl es kurzfristig ist -, dass es eine Art von Neugierde und Solidarität mit dem Haus gibt, und daher glaube ich, dass wir was Spannendes auf die Beine stellen werden."

Zuspruch vom Ensemble

Ensemblemitglieder zeigen sich glücklich über die Personalentscheidung. Schauspielerin Petra Morzé etwa kennt Bergmann wie viele ihrer Kollegen schon aus früheren Burgtheater-Jahren. Sie sei eine "integre Frau", so Morzé, ihr sei die Kommunikation auf Augenhöhe besonders wichtig. "Das war in der Direktionszeit Hartmann überhaupt nicht gegeben", und daher freue sie sich auf Bergmann.

Doch angesichts der finanziellen Situation am Burgtheater wird Karin Bergmann wohl auch künstlerische Einschnitte machen und Kompromisse eingehen müssen. Auf große Regisseure dürfe man auch künftig nicht verzichten, warnt Schauspieler Markus Meyer. Sein Vorschlag an die interimistische Direktorin: "Ich hoffe sehr, dass sie sich mehr auf das Ensemble konzentriert (...), dass das Ensemblespiel mehr in den Vordergrund gerückt wird, dass man von dieser Gäste-Politik abkommt."

Schauspielerin Christiane von Poelnitz wiederum hält Berichte, wonach das Burg-Ensemble gespalten sei, für übertrieben: "Es wurde schon immer über Intendanten geschimpft, das liegt in der Natur der Dinge", so Pölnitz. Mit Karin Bergmanns Abgang habe die Verunsicherung des Ensembles angefangen, weil sie "eine wichtige Bezugsperson für uns war". Karin Bergmann verließ das Burgtheater 2010, nach der ersten Spielzeit unter der Leitung von Matthias Hartmann. Damals äußerte sie öffentlich Bedenken, ob sich das Haus Hartmanns künstlerische Pläne leisten könne.

"Keine Ahnung" von Stantejskys Malversationen

Viele Jahre hat sie freilich auch mit der ehemaligen kaufmännischen Leiterin Silvia Stantejsky zusammengearbeitet; von ihren mutmaßlichen Malversationen habe sie aber nichts geahnt, so Bergmann heute, sie habe Stantejsky genauso geschätzt wie die drei Direktoren, mit denen sie, Bergmann, zusammengearbeitet habe.

Zu konkreten Sanierungsplänen für das Burgtheater äußerte sich Karin Bergmann heute nicht. Ob das Kasino am Schwarzenbergplatz, wie kolportiert, geschlossen wird, kann die neue künstlerische Leiterin noch nicht sagen, doch sie wolle um diese Spielstätte kämpfen, wie sie sagt.

Positiv reagierte auch die Politik auf Bergmanns Bestellung: der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl etwa sprach wörtlich von einer "pragmatischen Lösung" und hofft nun auf mehr Transparenz im Burgtheater.

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