Der große Beutezug

China ist zur Weltfabrik geworden. Der chinesische Bedarf an Rohstoffen ist in den vergangenen Jahrzehnten daher rasant gewachsen. Doch Chinas ökonomische Expansion geht viel weiter. Es ist dabei, wirtschaftlich unseren gesamten Planeten zu erobern.

China ist omnipräsent. Und die europäische Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass die Chinesen sich auch im Abendland immer erfolgreicher etablieren können: So lassen sich die zwei Grundthesen des vorliegenden Buchs, der beiden spanischen Journalisten Juan Pablo Cardenal und Heriberto Araújo, kurz zusammenfassen.

Das schreiben Juan Pablo Cardenal und Heriberto Araújo und begeben sich von Südfrankreich weiter nach Italien.

Selbstverständlich haben es die Chinesen nicht bei Edelweinen und Haute Couture belassen. Der griechische Hafen Piräus, die britischen Wasserwerke Thames Water, der Londoner Flughafen Heathrow, das französische Unternehmen für Satellitenkommunikation Eutelsat und der deutsche Motorenhersteller Kion sind nur einige weitere Unternehmen, in die Chinesen investiert haben.

Wenn von China oder Chinesen die Rede ist, können dabei chinesische Staats- oder Privatunternehmen, aber auch chinesische Staatsfonds gemeint sein.

Die Folgen sind absehbar: Chinesische Unternehmen werden in immer mehr Bereichen zu harten Konkurrenten für europäische Firmen werden. Dies wird insbesondere auch die Existenz von mittelständischen und Familien-Unternehmen im europäischen Raum gefährden. Aber auch für die großen Konzerne wie Siemens oder AREVA stellt China eine Herausforderung dar.

Schreiben Juan Pablo Cardenal und Heriberto Araújo, die für spanische und französische Medien über China berichten. Cardenal lebt in Hongkong, Araújo in Beijing. Für das vorliegende Buch haben sie ihre Recherchen ausgeweitet und im Lauf von zwei Jahren 25 Länder besucht, um dort den Einfluss von China zu untersuchen. Das Ergebnis ist ein spannendes, aber zugleich zutiefst beunruhigendes Werk.

Damit sind Arbeits- und Umweltstandards ebenso gemeint wie Geschäftspraktiken und Unternehmenswerte.

Zitieren die Autoren einen chinesischen Gesprächspartner. Der Westen, meinen die Autoren zuversichtlich, sei zumindest in diesem Bereich geschützt.

Ob diese Kontrolle ausreicht, sei dahin gestellt. Als Folgewerk zu diesem Buch würde man sich jedenfalls eines wünschen, das die europäische Seite genauer untersucht: Inwieweit beschäftigen sich europäische Politiker ernsthaft mit dem Phänomen China? Wer kalkuliert die möglichen Risiken, die Chinas Expansion im Westen längerfristig mit sich bringen könnte?

Bei seiner Expansion stützt sich das Reich der Mitte auf ein Heer an chinesischen Billigarbeitskräften, die bereits in anderen Teilen der Welt leben oder nun dorthin gehen. Ob Venezuela oder Turkmenistan, Mosambik oder Indien – überall hegt China große Ambitionen.

Auch in der indischen IT-Metropole Bangalore ist China präsent. Der Telekommunikationsausrüster Huaiwei führt dort sein größtes Forschungs- und Entwicklungszentrum außerhalb der Volksrepublik. Huaiwei werden aber immer wieder Beziehungen zum chinesischen Militär nachgesagt. Angesichts des getrübten Verhältnisses zwischen Delhi und Beijing haben die Expansionspläne von Huaiwei daher in Indien zu heftigen Debatten geführt.

Service

Juan Pablo Cardenal und Heriberto Araújo, "Der große Beutezug: Chinas stille Armee erobert den Westen", Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Karin Miedler, Carl Hanser Verlag, München 2014