Foodmonopoly

Die Autoren dieses Buches wollten sehen, ob es in anderen Ländern Voraussetzungen für ökologische und nachhaltige Landwirtschaft gibt, und ob bereits über herzeigbare Projekte und Ergebnisse berichtet werden kann. Im Buch "Foodmonopoly - das riskante Spiel mit billigem Essen" haben sie viele Antworten auf ihre Fragen gefunden.

Wir leben in einer Zeit des gutgefüllten Kühlschranks. Und fehlt etwas, dann sind es für Städter meist nur ein paar Schritte zum nächsten Lebensmittelgeschäft. Und auch wenn sich so manch einer im Supermarkt am Joghurt-Regal überfordert fühlt, stehen doch von jeder Sorte meist mehr als eine Handvoll Varianten und Hersteller zur Verfügung, im Gegensatz zu früher leben wir heute in einem weltweiten Schlaraffenland. Oder doch nicht?

Beispiel Brasilien

Massentierhaltung, Monokultur, Gentechnik, der Einsatz von Pestiziden und das Abholzen von Wäldern - all das wird mit der wachsenden Weltbevölkerung erklärt, die man in Zukunft ernähren müsse. Nachhaltige Produktion und Bioanbau seien dazu nicht geeignet, sagt die industrielle Landwirtschaft. Viel zu viel Aufwand und viel zu wenig Output. Doch wo bleibt die Qualität, wenn alles nur noch industriell produziert wird, und welchen Preis zahlen wir dafür?

Ein Beispiel aus dem Buch: Brasilien, Bundesstaat Mato Grosso, ein Land geprägt von Monokultur und Rinderzucht.

Es geht auch anders

Brandrodung und die Vertreibung indigener Stämme sind Schlagworte, die uns in Europa immer wieder erreichen. Aber es geht auch anders, das zeigt der Betrieb von Luis und Maria Vieira am Rand des Amazonaswaldes. Vor zwanzig Jahren haben sie den kargen und trockenen Nordosten Brasiliens verlassen, ihnen wurde ein Stück Land zugewiesen, sie bekamen Beihilfen und günstige Kredite.

Einen Teil ihrer 100 Hektar bewirtschaften sie als Agroforstwirtschaft. Dabei wird in nachwachsender Biomasse und im Boden Kohlenstoff gebunden. Luis und Maria bekommen dafür Ausgleichszahlungen von Verursachern von Kohlenstoffemissionen. In Brasilien unterstützt die halbstaatliche Ölgesellschaft Petrobras diese Projekte.

Für Maria und Luis bedeutet die Agroforstwirtschaft ein Zusatzeinkommen von 90 bis 150 Euro pro Monat. Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Brasilianers liegt bei rund 750 Euro.

Großes Land, ferne Politik

In ganz anderen Kategorien wird am nächsten Ziel der Autoren gerechnet. Im Ort Juruena, zwei Tagesreisen entfernt, weiden 9.000 weiße Nelore-Rinder. Die Kälber sind die Haupteinnahmequelle der Rinderfarm São Marcelo, ihr Verkaufswert beträgt 1,6 Millionen Euro pro Jahr.

Auch wenn ein Teil des Waldes auf dem Gebiet der Rinderfarm durch ein Waldgesetz geschützt ist, heißt das nicht, dass nicht weiter gerodet wird. Das Land ist groß, die Politik fern, die Kontrolleure kommen nur selten in diese abgelegenen Winkel und so hält sich nicht jeder strikt an das Gesetz. Außerdem wollen die Züchter die Anzahl der Rinder pro Hektar verdoppeln. Und ist das Land erst einmal gerodet, führt meist kein Weg zurück. Noch gibt es wenige Anreize für Landwirte, ihr Produktionsverhalten zu ändern.

Mutige Landwirte gefragt

Ähnliche negative Erfahrungen wie in Brasilien machten die Autoren an ihren anderen Reisezielen. Aber es gibt eben auch die positiven Beispiele, und so sind beide überzeugt: Eine nachhaltige und naturverträglichere Landwirtschaft ist möglich. Dazu brauche es aber nicht nur den Mut einzelner Landwirte, sondern auch sinnvolle gesetzliche Bestimmungen, die Politik ist also gefragt.

"Foodmonopoly" ist ein interessantes Buch mit vielen Facetten und unterschiedlichen Sichtweisen. Es zeigt, wo und wie unser Essen produziert wird. Es verurteilt nicht und ist frei von Ideologie. Und so wirken die im letzten Kapitel vorgestellten Zukunfts-Visionen von ökologischer Landwirtschaft und biologischer Vielfalt zwar ein wenig verträumt, geben aber dennoch Anlass zu Hoffnung.

Service

Ann-Helen Meyer von Bremen & Gunnar Rundgren, "Foodmonopoly. Das riskante Spiel mit billigem Essen", aus dem Schwedischen von Nina Hoyer, oekom Verlag

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