Die Nacht

Der amerikanische Literaturprofessor Paul Bogard hat sich auf die Suche nach der Dunkelheit begeben und mit "Die Nacht" eine spannende Lektüre über die Folgen der Lichtverschmutzung vorgelegt: von den Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen über Schlafstörungen bei Menschen bis zu Fragen der Sicherheit.

Eine Sommernacht in der dunkelsten Gemeinde Österreichs, in Großmugl im Weinviertel klingt so: Grillen zirpen, Frösche quaken, einzelne Glühwürmchen schweben herum.

Leider ist das in der westlichen, industrialisierten Welt jedoch die Ausnahme.

Die Umweltkatastrophe

Der Lärm von Fahrzeugen, die nachts über die Straßen der Welt donnern, geht mit Erleuchtung einher. Jedes Fahrzeug bewegt sich wie eine helle Laterne durch die Nacht. Im Scheinwerferkegel erstarren Hasen, Kaninchen und Füchse, Rotwild, geblendet vom gleißenden Licht, springt meist genau vor das Fahrzeug. Eine Vielzahl von Tieren lassen ihr Leben auf Grund von nächtlichem Licht.

Das Vogelsterben ist nur ein Detail am Rande einer weltweiten Umweltkatastrophe. In seinem Buch "Die Nacht" beschreibt der amerikanische Literaturprofessor Paul Bogard zahlreiche solcher Vorfälle, die der "Lichtverschmutzung" geschuldet sind.

Südhang des Atlasgebirges - endlich dunkel

Paul Bogard, Professor für Englische Literatur an der James Madison University in Virginia machte sich auf die Suche nach der Nacht. Er beschränkte seine Reise auf die beiden hellsten Kontinente der Erde: Nordamerika und Europa. Fündig wurde er allerdings am Südhang des Atlasgebirges, wo es keine Lichtverschmutzung - also das Abstrahlen der Beleuchtung von Wegen, Industriekomplexen, Flughäfen und Städten ins Weltall - gibt.

Das Buch beginnt mit der Bortle-Skala, die den Nachthimmel in neun Kategorien einteilt. Sie reichen vom innerstädtischen Himmel, der weiß oder orange angestrahlt, nur den Blick auf den Mond und wenige Sterne freigibt, bis zum "Ort mit exzellent dunklem Himmel" - den wohl kaum ein Mensch in der westlichen Welt je gesehen hat.

Beeindruckendes Spektrum

Was Paul Bogard auf 324 Seiten zum Thema Nacht zusammengetragen hat, ist beeindruckend. Das Spektrum reicht von den Auswirkungen taghell erleuchteter Nächte auf Tiere und Pflanzen über Schlafstörungen bei Menschen bis zu Fragen der Sicherheit, mit denen Außenbeleuchtungen bisher gerne begründet wurden.

Licht, Nacht und der Krebs

Und dann sind da noch die Auswirkungen von zu viel Licht auf die Gesundheit des Menschen.

Das blaue Licht, das uns aus Computerbildschirmen, Handydisplays und Fernsehern nachts stundenlang anstrahlt, ist laut neuesten Forschungen besonders schädlich.

Paul Bogard bietet spannende Lektüre, in der neben naturwissenschaftlichen Informationen auch Philosophie, Geschichte und Kultur nicht zu kurz kommen. Schade nur, dass bei der Übersetzung ins Deutsche versucht wurde, den amerikanischen Ton des Originals möglichst genau zu treffen. Ein wenig mehr dichterische Freiheit zugunsten sprachlicher Besonderheiten des Deutschen hätte dem Text gut getan.

Service

Paul Bogard, "Die Nacht - Reise in eine verschwindende Welt", aus dem Englischen von Yvonne Badal, Karl Blessing Verlag München, Juni 2014