Liam Neeson im Rachethriller "Run All Night"

Der einsame Wolf auf dem Weg ins gesellschaftliche Abseits, der dann aber im Beschützen seiner Familie wieder zu neuem Lebenssinn findet: Diese Rolle hat der Ire Liam Neeson in den letzten Jahren öfter gegeben, vor allem in der "Taken"-Trilogie. Eine Rolle, die der 53-jährige Schauspieler auch in seinem neuen Film "Run All Night" wieder aufnimmt.

Ein Rachethriller mit Action-Potenzial und zwischenmenschlichen Komplikationen.

Mittagsjournal, 16.4.2015

Sogar den Weihnachtsmann muss Jimmy (Liam Neeson) mittlerweile spielen. Für ein paar Dollar Kredit lässt sich der ehemalige Auftragskiller demütigen, vom Sohn eines New Yorker Mafiabosses (Ed Harris), der sich gönnerhaft als seinen besten Freund bezeichnet. Überhaupt hat Jimmy schon bessere Zeiten gesehen. Der Alkohol tut sein destruktives Werk, die Familie ist zerbrochen, sein einziger Sohn hat längst ein Kontaktverbot verhängt. Doch als Jimmy den Sprössling des Mafioso in einer Notwehrsituation tötet sind er und sein Sohn Michael in Lebensgefahr.

Aug um Aug

Söhne und Väter, Schuld und Sühne, Rechnungen, die man begleichen muss, aber jeder rechnet halt ein bisserl anders. Märtyrer, Beschützer, Rächer und Aussteiger, Jimmy, ein Mann der sich den Lebenssinn abgegraben hat, mit seinem Schicksal hadert, sieht plötzlich wieder Hoffnung. Doch die gute Absicht lässt sich nur mit bösen Taten umsetzen. Aug um Aug und Zahn um Zahn ist der Antrieb dieser Geschichte, in der die Sünden der Väter die Söhne verfolgen - "quasi ein urbaner Western", so Regisseur Jaume Collet Serra.

Schießen und Rasen

Sein stockkonservatives Familienweltbild transportiert der Film über die knorrige Sturheit alter Männer und über fragwürdige, archaische Ehrbegriffe: mit Action aller Art, einem ausführlichen Schusswaffengebrauch, biederem Sarkasmus und pathetischen Opfergesten. Natürlich gäbe es hier einen gewissen Hang zu Action, aber "keineswegs zum Selbstzweck", meint Hauptdarsteller Liam Neeson.

Schießen und rasen, seinen schon im Filmtitel "Run all Night" offensiv verkauften Bewegungsdrang löst der Film mit recht altmodischer Anmutung ein. Und noch was tendiert hier ins Retro-Fach: Wer würde seinem Helden nach so viel Konditionstraining in Sachen Moral die Erlösung wirklich verweigern wollen?