Wie der Müll geordnet wird

Die deutsche Autorin Iris Hanika hat Mülltrennung und -entsorgung als weitläufige Metapher für einen Roman über das Berlin kurz nach dem Fall der Mauer verwendet. "Endlich! Ein Wenderoman aus West-Berliner Sicht", jubelte die "Berliner Zeitung".

Service

Iris Hanika, "Wie der Müll geordnet wird", Roman, Droschl Verlag

"Wie der Müll geordnet wird" nennt Iris Hanika ihren neuen Roman. Und wer die Autorin kennt, der weiß, dass sich hinter einem Titel wie diesem eine gehörige Portion Sarkasmus verbirgt. Ihre Bücher sind boshaft, hintersinnig und subversiv. Sie stecken voller Fallen.

Antonius kommt als skurriler, sozial vollends inkompatibler Sonderling daher. Als Sohn eines reichen Möbelfabrikanten hat er karrieretechnisch versagt. Ein Aufenthalt in der Psychiatrie hat ihm Freiheiten beschert: Fortan ist er in der väterlichen Firma nicht mehr tragbar, ebensowenig als Ehemann und Vater. Er kann sich also vollends seinen wunderlichen Neigungen hingeben Und so beginnt er, in seinem Leben aufzuräumen. Er mistet seinen inneren Saustall aus und bemerkt, dass das nicht tagesfüllend ist. Also beschäftigt er sich mit dem Müll fremder Leute.

Iris Hanika hat keine Scheu ihrem Roman eine wilde Mischung an Genres aufzuladen: Er ist gleichzeitig Groteske, Liebesgeschichte, Familiensaga und Krimi. Ziemlich viel auf einmal. Zumal die Perspektiven schnell wechseln, und mit ihnen die Tonlage und der Erzählduktus. Manchmal quietscht es, wenn die Autorin die Teile des Buches zusammenschraubt. Da gerät der Band in eine Schieflage und die Sprache büchst aus. Die Metapher vom Müll und Mist, den wir mit uns herumschleppen, wird ziemlich strapaziert. Aber weil sich Iris Hanika so unbekümmert, mutig und frech gibt, sieht man ihr manches nach.