Blogtexte von Raif Badawi
1000 Peitschenhiebe
Jede saudische Stipendiatin, die in England studiert, muss innerhalb von acht Wochen einen männlichen Begleiter vorweisen. Für den Blogger Raif Badawi sind diese offenkundigen Missstände im Königreich eine "Schande". Solche angelblich subversiven Texte ließen den Internet-Aktivisten zum Staatsfeind werden und sind jetzt erstmals auf Deutsch zu lesen.
8. April 2017, 21:58
Das beklemmende Vorwort seiner spannend zu lesenden Streitschrift diktierte er seiner Frau Ensaf Haidar am Telefon aus dem Gefängnis.
"Die 14 Beiträge geben einen guten Einblick in die humorvolle und regierungskritische Gedankenwelt des Bloggers"
Service
Raif Badawi, Constantin Schreiber (Hg.), "1000 Peitschenhiebe - Weil ich sage, was ich denke", Ullstein Verlag
Wegen "Beleidigung des Islams" verurteilte das oberste Gericht in Saudi Arabien Raif Badawi 2012 zu der mittelalterlich anmutenden Strafe von 1.000 Peitschenhieben und zu zehn Jahren Haft: Am 9. Januar diesen Jahres bekam Badawi, an Armen und Beinen gefesselt, vor der weißen Al-Jafali-Moschee in Dschidda die ersten 50 Peitschenhiebe. Es ist das Verdienst des Nahost-Experten Constantin Schreiber, dass das schmale Büchlein mittlerweile in vielen europäischen Ländern erschienen ist.
Raif Badawi
Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, (…) meinen Teil zur Aufklärung meiner Gesellschaft beizutragen. Ich habe versucht, die Mauern der Unwissenheit niederzureißen, die Heiligkeit des Klerus zu brechen, ein wenig Pluralismus zu verbreiten und Respekt vor Werten wie Ausdrucksfreiheit, Frauenrechten und den Rechten von Minderheiten und Mittellosen in Saudi-Arabien.
In vier Kapiteln beschäftigt sich der liberale junge Araber mit der Scharia, mit dem arabischen Frühling oder der Religionspolizei. Sein letzter Blog erschien kurz bevor der Terror des "Islamischen Staates" die Region mit voller Wucht traf. Raif Badawis größte Sorge war, dass die klugen Köpfe der arabischen Welt alle auswandern würden.