Festa del Cinema di Roma

Als das Internationale Filmfest vom damaligen römischen Bürgermeister Walter Veltroni 2006 ins Leben gerufen wurde, haben viele die Nase gerümpft - vor allem in Venedig. Man sagte dem Neugeborenen kein langes Leben voraus. Jetzt ist das Filmfest bei seiner zehnten Ausgabe angelangt.

Die finanziellen Mittel sind bescheiden, doch die Veranstalter haben ein eigenes Profil erstellt - weniger glamourös als das der Lagunenstadt, aber breit verankert. Morgen geht die diesjährige Ausgabe zu Ende.

Kulturjournal, 23.10.2015

Der Trailer des diesjährigen Filmfestivals geht auf die große Vergangenheit Roms als Produktionsstätte ein, aber auch auf die aktive Rolle der Stadt als Protagonistin vieler Filme. Wie in der Szene aus "La dolce vita" mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni in der berühmten Fontana di Trevi; oder auch in dem vor 35 Jahren in Cannes zweifach ausgezeichnetem Film "Die Terrasse" von Ettore Scola, der übrigens für das Festival restauriert wurde. Doch ein Festival, das sich ernst nimmt, schaut nicht nur in die Vergangenheit. Ein eigens angefertigter Spot ist daher gegenwärtig, ironisch und eine Aufforderung an die Bewohner der Stadt.

Ja, das Filmfest in Rom ist ein Fest mit Stars - hören wir - aber es ist in erster Linie ein Fest für Alle. Ein Fest für das Publikum, das eingeladen ist, über die gezeigten Filme abzustimmen. Und so wird es diesmal keinen klassischen Wettbewerb geben, sondern einen Publikumspreis.

Einer der Filme, über den abgestimmt wird, ist der Streifen "Alaska" des Regisseurs Claudio Cupellini. Cupellini, auch bekannt durch die Fernsehserie "Gomorra" zeigt eine Liebesgeschichte, die von Paris nach Mailand führt. Der Titel ist keine geographische Verortung, er steht vielmehr für eine Diskothek. Hauptdarsteller Elio Germano lief über den römischen red carpet. Genauso wie die kanadische Schauspielerin Ellen Page, die ihren Auftritt für ein Bekenntnis zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nutzte.


Italiens Diva Monica Bellucci präsentierte ihren neuesten Film "Ville-Marie". Regisseur Guy Edoin leuchtet darin die Höhen und Tiefen einer Lebensgeschichte aus. Ein Streifen in dem Bellucci auch singt.

Begegnungen mit Künstlern und Stars dürfen traditionsgemäß in Rom nicht fehlen. Bis auf den letzten Platz war das von Stararchitekt Renzo Piano gestaltete Auditorium besetzt, als Publikumsliebling Jude Law über seiner Arbeit erzählte sowie über Regielegenden wie Stanley Kubrick und Steven Spielberg sprach.

Eine besonders erfolgreiche Initiative des Festivals ist der Internationale Audiovisuelle Markt: 98 Filme und acht Serien standen zur Auswahl. Rund 600 Produzenten und 400 Einkäufer nutzten die Gelegenheit. Morgen geht das Festival zu Ende. Heute Abend wird Dirigent Riccardo Muti erwartet. Er wird über Musik und Kino sprechen und die Filme, die ihn geprägt haben.

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