Die "Café Sonntag"- Glosse

Angefangen hat das Ganze vermutlich mit Voltaire.
Der soll ja am Sterbebett seinen lebenslangen Atheismus und die ungezogenen Stänkereien gegen die heilig Mutter Kirche heulend und zähneknirschend bereut und sich würdelos winselnd der Gnade des Allerhöchsten unterworfen haben.

Thomas Maurer

ORF

Zwar weiß man mittlerweile, dass dieses Gerücht von katholischen Gegenaufklärern gezielt gestreut wurde und keinen höheren Wahrheitsgehalt aufweist als die heute üblichen Facebookmeldungen, in denen marodierende Islamisten unter lauten "Asyl, Asyl!"-Rufen ganze Supermärkte vergewaltigen.

Aber irgendwie hat sich doch das Klischee erhalten, dass explizit die besonders lichten, rationalen Köpfe gegen Ende ihrer irdischen Bahn fast gesetzmäßig religiöse Epiphanien durchleben, wenn es auch häufige etwas weniger lichte und rationale Köpfe sind, die dieser Theorie anhängen.
Insbesondere Kosmologen und Physikern wird gerne unterstellt, ihr vertrauter Umgang mit dem kaum noch Fasslichen würde sie zum Überlaufen ins religiöse Lager förmlich prädestinieren.

Auch aus diesem Blickwinkel kann man sich also kaum ausreichend darüber freuen, dass Heinz Oberhummer mittlerweile eine Art nationales österreichisches Kulturerbe geworden ist.
Er bringt dafür auch die erforderlichen ausserwissenschaftlichen Eignungen mit: Gewinnende Schrulligkeit (Wer, wenn nicht ein kauziges Genie, darf schon ungestraft ständig ein Glas mit Alpakaexkrementen mit sich führen?), ein genuinen, leicht wiedererkennbaren rhethorischen Duktus und, last, but not least, uneitle Telegenität.

Davon einmal abgesehen, dass es natürlich viel, viel österreichischer ist, einen Nobelpreis knapp zu verfehlen, als ihn ganz banal zu gewinnen.
Und dass dieses österreichische Kulturerbe, obwohl es ebenso nachweislich fortgeschrittenen Alters wie mit den Grenzen der Naturwissenschaften vertraut ist, es obstinat und lautstark verweigert, sich im Spätherbst des Lebens einem vermeintliche altersweisen Schöpferglauben anheimzugeben, das würde vermutlich auch Voltaire gefallen.

Wenn es denn ein Jenseits gäbe, von dem aus er dieses Schauspiel genießen könnte. Was aber schon doch eher ziemlich sehr unwahrscheinlich sein dürfte. Oder, Herr Professor?