Roman von Jenny Erpenbeck

Gehen, ging, gegangen

Die vielen namenlosen Menschen, die derzeit ihr Heimatland verlieren, hinterlassen mittlerweile ihre Spuren auch in der Literatur: Die deutsche Regisseurin und Autorin Jenny Erpenbeck hat einen Tatsachenroman zur Lage der afrikanischen Flüchtlinge in Berlin geschrieben; im Titel konjugiert sie deren Lage.

"Ein wichtiges, ein unbedingt lesenswertes Buch"

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Jenny Erpenbeck, "Gehen, ging, gegangen", Roman, Knaus Verlag

"Gehen, ging, gegangen" handelt von jenen Flüchtlingen, die von 2012 bis 2014 den Berliner Oranienplatz und mehrere Gebäude besetzten, um für sich das Bleiberecht zu erzwingen. Richard, ein gelangweilter Altphilologe im Ruhestand hat viel Zeit und begibt sich unter die Asylwerber, hört ihnen zu und hilft.

Richard hört die Geschichte von Awad, der aus Ghana stammt, als Siebenjähriger nach Libyen kam, dort Automechaniker wurde. Dann wurde sein Vater erschossen. Er musste fliehen. "Der Krieg zerstört alles“, sagt Awad. Und: "Ich habe kein Bild mehr von mir." Er hört die Geschichte von Raschid, einem Moslem aus Nigeria, der Schlosser lernte. Dann wurde das Haus seiner Familie zerstört, der Vater in seinem Auto verbrannt. Seit dreizehn Jahren ist Raschid unterwegs. Es sind die Lebensgeschichten junger Männer aus Afrika, die alles verloren haben und nur darauf warten, ihr Leben selbst organisieren zu dürfen.

Auch wenn Jenny Erpenbeck kein so überragendes Buch gelungen ist wie mit dem Vorgänger-Roman, dem großartigen Biografie-Spiel "Aller Tage Abend", so ist doch "Gehen, ging, gegangen" ein wichtiges, ein unbedingt lesenswertes Buch - ein Buch, das zum Nachdenken anregt.