Joseph Roth - Städtebilder
Die Joseph-Roth-Gesellschaft hat diese Woche im Wiener Literaturhaus einen neuen Band ihres Namensgebers vorgestellt: "Joseph Roth - Städtebilder". Das Buch beschäftigt sich mit der Poetik, Philologie und Interpretation von Städtedarstellungen in den 1920er und 30er Jahren.
8. April 2017, 21:58
Kulturjournal, 18.12.2015
Joseph Roth wurde nur 45 Jahre alt. Er starb 1939, schrieb jedoch so viel, dass sein Gesamtwerk etwa sechs Bände zu je 1.000 Seiten umfasst, erklärt Heinz Lunzer. Er ist Obmann der Internationalen Joseph-Roth-Gesellschaft, die regelmäßig Lesungen, Buchpräsentationen, Tagungen veranstalten - so auch im letzten Jahr in Paris. Aus diesen Vorträgen entstand der neue Band "Städtebilder".
Diese Bilder sind jedoch sprachlich gemeint, denn im Band findet sich kein einziges. Laut Lunzer sei Roths Beschreibungsart so einfach und klar, dass ihm die Sprache ausreichte.
Einer der neu entdeckten Texte von Roth ist "Marseille" in einer bisher unbekannten frühen Fassung, in dem er wie folgt schreibt:
Joseph Roth
"Ich liebe die schöne, bewegte, müßige und zwecklose Geschäftigkeit in den Straßen. Die meisten Menschen gehen nicht ihren Pflichten nach, sondern neben den Pflichten. Der exotisch gekleidete Fremdling, von fernen Küsten hergetrieben, reiht sich in den Gewändern seiner Heimat dem bewegten Zug der Straße ein und fühlt sich wie zu Hause. Er ändert weder Tracht noch Schritt, noch Bewegung."
Damit aber der neu herausgegebene Band "Städtebilder" nicht nur aus zwei neuen Texten von Joseph Roth mit sechs Seiten besteht, wurden die restlichen knapp 300 Seiten mit Texten über Joseph Roth gefüllt. Eine Vielzahl an jungen Studentinnen und Studenten aus Frankreich, Deutschland und Österreich, als auch Wissenschaftlern haben sich mit Roths Städtedarstellung aus den 1920er und 30er Jahren beschäftigt. Die einen vom Aspekt des kultur- und werkgeschichtlichen aus, die anderen analysieren seine Arbeits- und Herangehensweisen. Trotzdem soll sich aber die Leserschaft nicht nur auf wissenschaftlich gebildete Leser reduzieren, so Lunzer.
Und auch wenn "Städtebilder" erst kürzlich erschienen ist, hat Heinz Lunzer bereits das nächste Projekt im Auge. Er möchte den Briefverkehr zwischen Roth und seinem Kreis herausbringen. Das Material würde bereits vier Bände füllen, was noch fehle, sei ein Verlag.