Blauschmuck

Es ist eine wahre Geschichte, die sich überall dort abspielt, wo Männer glauben, ein Recht über Frauen zu haben und wo Frauen in Abhängigkeit von Männern leben. Es ist eine alltägliche Geschichte - von der wir vermutlich nur erfahren, weil sie in Österreich endet. Und weil sie von einer österreichischen Autorin aufgeschrieben wurde.

Ihren Ausgang nimmt die Geschichte in einem kurdischen Dorf in der Türkei. Filiz ist sechs oder sieben Jahre alt ist sie und lebt zusammen mit Eltern und neun Geschwistern in einem Tal, wo man sich mit den Nachbarn um Wasser streitet, wo Fliegenschwärme Münder und Augenwinkel der Kinder belagern und wo man vor dem Vater genauso viel Angst haben muss, wie ein Schaf vor dem Wolf. Der Mann ist eine Naturgewalt in dieser Gegend. Gegen ihn zu kämpfen aussichtslos.

Die in Oberösterreich aufgewachsene Katharina Winkler, die eigentlich Schauspielerin ist, am Volkstheater in Wien engagiert war und nun in Berlin lebt, hat einen außergewöhnlichen Debütroman veröffentlicht. Hochkonzentriert ist ihre Sprache, oft so verknappt, dass fast Lyrik daraus wird. Sie entspricht der Kargheit der archaischen Lebensverhältnisse, in denen ihre Protagonistin Filiz lebt. Kein Wort zu viel, jeder Satz gehaltvoll und dazwischen - Raum für stilles Entsetzen.

Als Filiz elf ist, trifft sie Yunus. Sie gebiert ihm drei Kinder, und schließlich ziehen sie nach Österreich. Unter erbärmlichen Verhältnissen lebt die Familie anfangs in einer kleinen Wohnung in den Donauauen, in der noch die Spuren des Hochwassers sichtbar sind. Wenn Yunus nach Hause kommt, misshandelt er Filiz. Ein aufmerksamer Arzt besorgt ihr und ihren Kindern Flugtickets in die Türkei. Als Yunus diese entdeckt, treibt er Filiz in den Selbstmord. Sie überlebt.