"Bella Ciao" - Riccardo Tesi gastiert in Wien
Eigentlich hätte heute Abend im Wiener Konzerthaus der italienische Liedermacher Gianmaria Testa spielen sollen, der aber vor zwei Wochen im Alter von 57 Jahren überraschend verstorben ist. An seiner Stelle steht nun ein Ensemble rund um den Liedermacher Riccardo Tesi auf der Bühne.
8. April 2017, 21:58
Präsentiert wird der Liederzyklus "Bella Ciao", der schon 1964 uraufgeführt wurde. Zum 50-Jahr-Jubiläum haben Tesi und seine Kollegen die Songs neu eingespielt.
Morgenjournal, 12.4.2016
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Wiener Konzerthaus - Lucilla Galeazzi / Riccardo Tesi u. a.
Widerstandslied der Partisanen, dann Protestlied über die Ausbeutung der Reisarbeiterinnen in der Poebene und heute einer der populärsten italienischen Liedexporte. Kaum jemand kennt "Bella Ciao" nicht, und selbiges gilt in Italien auch für den gleichnamigen Liederzyklus.
Italienisches Folkrevival ab 1964
Wenn Riccardo Tesi darüber zu erzählen beginnt, muss er schmunzeln. Er sei in einem Haushalt aufgewachsen, wo "Bella Ciao" das einzige Album gewesen sei - wobei es sein Vater wohl eher aus politischen, denn aus musikalischen Gründen gekauft habe. Aber im selben Atemzug erinnert Tesi dann auch an die politische und kulturelle Bedeutung der Liedersammlung, die 1964 den Beginn des italienischen Folkrevivals markierte.
Tumulte bei der ersten Aufführung
1964, bei der ersten Aufführung des Liederzyklus im umbrischen Spoleto kam es dabei zu Tumulten, als Faschisten die Aufführung der Partisanen- und Arbeiterlieder verhindern wollten. Die Sängerin Lucilla Galeazzi reiste damals als Jugendliche extra aus einer Nachbargemeinde an. Um die Faschisten - wie sie sagt - aus dem Theater zu vertreiben.
"Freiheit und Zugehörigkeit"
Dabei würden diese Lieder auch nach 50 Jahren noch ein Gefühl von Freiheit, und vor allem auch ein Gefühl von Zugehörigkeit transportieren, wie sie es in unserer heutigen Gesellschaft so nicht mehr gebe, meint Tesi. Umso wichtiger sei es, die Lieder wieder auf die Bühne zu bringen.
Und auch Lucilla Galeazzi erinnert an den politischen Kontext, erhebt dann den Zeigefinger und räumt mit einem Irrtum auf: "Bella Ciao" sei zwar heute die symbolische Hymne der Resistenza, tatsächlich sei das Lied aber erst 1945 dokumentiert, und somit von den Widerstandskämpfern wohl nie gesungen worden.
Dem Freund Testa gewidmet
Die Neuaufnahme des Liederzyklus ist unter der künstlerischen Leitung von Riccardo Tesi entstanden, der die italienische Folkmusik als Liedermacher Komponist und Akkordeonist über die letzten Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt hat. Er war Wegbegleiter von Fabrizio de Andrè und hat auch gemeinsam mit dem kürzlich verstorbenen Gianmaria Testa gearbeitet. Gianmaria sei für ihn zuallererst ein Freund, dann ein Musikerkollege gewesen. Ein großartiger Mensch, so Tesi. Das heutige Konzert ist Gianmaria Testa gewidmet.