Roman von Andre Heller

Das Buch vom Süden

Andre Heller erzählt in seinem späten Romandebüt die Lebensgeschichte des Wiener Exzentrikers Julian Passauer. Es ist ein liebevoll ironischer Entwicklungsroman, in dem der 69-Jährige die Summe seines künstlerisch-literarischen Lebens zieht.

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Andre Heller, "Das Buch vom Süden", Roman, Zsolnay Verlag

Das Hörbuch, gelesen von Heller, ist bei bei Lübbe Audio herausgekommen.

Im ersten Teil des Romans, in dem Heller Kindheit und Jugend Julian Passauers schildert, treten altösterreichische Figuren von herrlicher Exaltiertheit auf. Da ist zum Beispiel Doktor Kundratitz, der Hausarzt der Passauers, der leichtere Beschwerden mit Gedichten von Rilke oder Shelley zu kurieren pflegt, die er hastig auf Rezeptblöcke kritzelt - bei Halsweh oder Fieber zu lesen drei Mal täglich, morgens, mittags und abends.

Im zweiten Teil des Romans begleiten wir den melancholischen Sinnsucher Julian Passauer auf seiner langen Reise zu sich selbst: Passauer umrundet Afrika per Schiff, er wird Poker-Profi und erspielt sich ein stattliches Vermögen, das er - autobiografischer Bezug - in eine herrschaftliche Villa am Gardasee investiert. Passauer gestaltet den Park der Villa zu einem eindrucksvollen Gartenkunstwerk und lässt sich, ein Freund der Frauen seit jeher, von diversen Liebschaften wertvolle Lebenslektionen erteilen.

Andre Heller hat einen heiteren, sprachlich virtuosen Roman voller Melancholien und amüsanter Überspanntheiten geschrieben, einen Roman, den man - auch wenn er seine erzähltechnische Brillanz dann und wann ein bisschen zu sehr ausstellt - mit großem Vergnügen liest.