Ka Panik - Andreas Spechtl beim Popfest Wien

Seit rund zehn Jahren zählt er zu den Impulsgebern in der österreichischen Popmusik – Andreas Spechtl. Mit seiner Band Ja, Panik versetzt er das Feuilleton regelmäßig in Kritiker-Ausnahmezustände - mit viel Gespür für den Zeitgeist vermischt er Gesellschaftskommentar mit nach vorwärts gewandter Popmusik. Am Wiener Popfest tritt Spechtl nun erstmals mit seinem neuen Projekt GOA auf.

Die Band Goa

GOA

Kulturjournal, 27.7.2016

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Popfest

Im österreichischen Pop sind die Rollen klar verteilt: Maurice Ernst von Bilderbuch ist der neckische Charmeur, Marco Michael Wanda das liebenswerte Raubein und Andreas Spechtl von Ja, Panik ist der Intellektuelle, der Denker unter den Frontmännern. So kennt man Spechtl: ein fließender deutsch-englischer Sprachmix, um fließende gesellschaftliche Zustände zu kommentieren. Genau das, diese Verliebtheit in den eigenen intellektuellen Diskurs wird "Ja, Panik" subkutan gern vorgeworfen. Dass ihre Songs oft verkopfte Manifestos im Rock 'n' Roll Gewand wären.

Spechtls Unruhe

Zehn Jahre gibt es Ja, Panik mittlerweile. Vom Burgenland ging es zuerst nach Wien und dann nach Berlin. Spechtl war schon immer einer, der nie so wirklich dazugehörte. Immer schwang da etwas mit - eine Unruhe, die auch sein aktuelles Leben als Musiker zu prägen scheint. Vergangenes Jahr sorgte Spechtl für Aufsehen als er das gerade frisch geschlüpfte Popwunder als nationalistisch gefärbte Marke bezeichnete. Da werde mit Kunst wieder einmal nationale Selbstbestätigung betrieben, so seine Kritik.

Das jüngste Projekt

GOA, sein jüngstes Projekt, ist kurz und bündig, ohne jede semantischen Spielereien. "Fuma Un Casino" - das erste Lied der Gruppe - klingt getriebener als der Sound von Sleep, Spechtls bislang letztem Projekt. Im Frühjahr 2016 verbringt Spechtl zwei Monate in Palermo. Er arbeitet an einem Buch über seine Band Ja, Panik.

Eine Dosis Ernsthaftigkeit

In seiner Wahlheimat Deutschland erlebt der Musiker gerade die Auswirkungen des Terrors und der Anschläge, die das Land in den vergangenen Wochen überzogen haben. So wie sich die Kunst als Idee im Kopf abspielt, so funktioniert auch die Logik des Terrors. Die Parole, sich von der Angst nicht anstecken zu lassen ist schnell ausgesprochen. Doch wenn Angst eine Gesellschaft infiziert, dann entsteht eine gehemmte Wirklichkeit, die nur schwer in den Griff zu bekommen ist.

Spaß und Zerstreuung sind dem Pop eingeschrieben - sie sind eine unverhandelbare Kernbotschaft des Genres. Eine Dosis Widerspenstigkeit und Ernsthaftigkeit im Pop hat aber noch keiner Ära geschadet. Und Andreas Spechtl sorgt gerade dafür, dass Pop nicht nur dazu da ist, sich zu Tode zu amüsieren.