Ernst Molden

DANIELA MATEJSCHEK

Gedanken

„Der Willi ist immer da“, Ernst Molden

Der Musiker Ernst Molden erinnert sich an seinen Freund, Lehrer und musikalischen Weggefährten Willi Resetarits.

Am Allerheiligentag, einen Tag vor Allerseelen, dem Gedenktag für die Verstorbenen, erinnert sich Ernst Molden an Willi Resetarits. Als Ostbahn-Kurti wurde er zu einer prägenden Figur der österreichischen Musik. Für Molden war Resetarits Freund, musikalischer Weggefährte und ein Mensch, von dem er viel gelernt hat.

Wo die Stadt im Reiseführer aufhört

Ernst Molden macht Wien hörbar. Seine Lieder beginnen oft dort, wo die Stadt im Reiseführer aufhört: in einem Beisl kurz vor dem Zusperren, in einer stillen Gasse oder beim nächtlichen Radfahren entlang der Donau. Den Hörerinnen und Hörern begegnen Menschen, die zu viel wissen, zu wenig sagen oder beides zugleich. Ernst Molden erzählt von ihnen mit rauer, warmer Stimme und in Bildern, die nicht geschniegelt daherkommen. Seine Lieder geben nicht alles preis. Gerade deshalb bleiben sie im Gedächtnis.

Der 1967 in Wien geborene Ernst Molden schrieb zunächst Kurzgeschichten, Feuilletons und Theaterstücke. Seit den 1990er-Jahren entwickelt er ein Werk zwischen Chanson und Folk, Blues und Rock, poetischer Miniatur und Straßenballade. Im Wiener Dialekt kann Ernst Molden Dinge sagen, für die das Hochdeutsche oft zu glatt klingt. Zuletzt hat er mit Ursula Strauss das dritte gemeinsame Album „nochdvegl“ veröffentlicht.

Willi Resetarits, Kurt Ostbahn

APA/HERBERT PFARRHOFER

„Die Moderationen vom Willi waren oft genauso lang wie seine Lieder“

Zum ersten Mal begegneten sich Ernst Molden und Willi Resetarits 1987, vor fast vier Jahrzehnten. Ernst Molden war zwanzig Jahre alt, arbeitete als Polizeireporter und besuchte ein Konzert von Ostbahn-Kurti und seiner Chefpartie. Nach dem Auftritt setzten sie sich auf einen Spritzer zusammen. Molden war sofort fasziniert: von Willi Resetarits’ Stimme, seinen Geschichten und seinem Humor. „Die Moderationen vom Willi waren oft genauso lang wie seine Lieder“, erinnert er sich. In seiner Musik verband Willi Resetarits Wiener Schmäh mit Klängen aus den Südstaaten der USA.

Mitte der 2000er-Jahre fanden die beiden auch musikalisch zusammen. Willi Resetarits holte Ernst Molden in seine Radiosendung „Trost und Rat“ auf Radio Wien, sang eines seiner Lieder und spielte Mundharmonika. 2007 begann die gemeinsame Arbeit: vier Alben und viele Konzerte; eine Zusammenarbeit, die Ernst Molden nachhaltig geprägt hat.

„Der Witz von Willi hat die Welt umarmt und niemanden ausgeschlossen.“

Willi Resetarits war kein Freund des intensiven Probens. Die Stücke fanden ihre Form auf der Bühne, im Zusammenspiel mit den Musikerinnen und Musikern sowie im Kontakt mit dem Publikum. „Der Willi Resetarits hat sich in Figuren und Stimmungen hineingefunden wie in maßgeschneiderte Gewänder, konstatiert Ernst Molden.

Sein Humor ging nie auf Kosten anderer. „Der Witz von Willi hat die Welt umarmt und niemanden ausgeschlossen.“ Das galt auch abseits der Bühne: Junge noch unbekannte Musikerinnen und Musiker konnten ihn um Rat, einen Konzertbesuch oder eine Beteiligung im Studio bitten - kaum jemand wurde abgewiesen. Der Grund: Willi Resetarits hat als Kind selbst oft gehofft, mitspielen zu dürfen“, erzählt Ernst Molden, „deshalb hat er sein Lebtag lang alle mitspielen lassen“.

„Manchmal wache ich in der Früh noch immer auf und habe vergessen, dass er tot ist.“

Auch über das Älterwerden und den Tod konnten die beiden ehrlich und angstfrei sprechen. „Man feiert tagtäglich das Leben, weil es jederzeit aus sein kann“, sagt Ernst Molden der seinen Freund Willi Resetarits bis heute unglaublich vermisst. „Manchmal wache ich in der Früh noch immer auf und habe vergessen, dass er tot ist.“ Und doch begegnet er ihm weiter: in den gemeinsamen Liedern, an der Donau und an vielen Orten, an denen sie aufgetreten sind. „Der Willi ist immer da.“ Was von ihm bleibt, fasst Molden in einem Satz zusammen: „Liebe gehört ausgedrückt.“

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